Inhaltsverzeichnis
- Wenn das eigene Unternehmensprofil zur Belastung wird
- Warum sich ein Kununu-Firmenprofil nicht einfach deaktivieren lässt
- Der rechtliche Unterschied zwischen natürlichen Personen und Unternehmen
- Keine Chance auf Löschung? Im Gegenteil.
- Wann Bewertungen und Inhalte auf Kununu rechtswidrig sind
- Wann ein Kununu-Firmenprofil faktisch verschwindet
- Was Unternehmen stattdessen strategisch tun können
- Die Bedeutung einer klaren Reputationsstrategie
- Typische Fehler im Umgang mit Kununu-Bewertungen
- Was Unternehmen jetzt wissen sollten
- Juristische Unterstützung bei Kununu-Bewertungen
Das Wichtigste in Kürze: Kununu-Firmenprofil löschen
- Ein Kununu-Firmenprofil lässt sich nicht einfach löschen, da die Plattform das Recht hat, Unternehmensprofile ohne Zustimmung zu erstellen.
- Unternehmen können jedoch einzelne rechtswidrige Inhalte auf ihrem Profil überprüfen und beanstanden.
- Unwahre Tatsachenbehauptungen und strafrechtlich relevante Aussagen sind häufige Gründe für die rechtliche Anfechtung von BewertungenBewertungen sind Rückmeldungen oder Beurteilungen von Produ... Mehr.
- Aktive Strategien, wie juristische Prüfung und das Ermutigen zufriedener Mitarbeiter zur Abgabe positiver Bewertungen, sind entscheidend für ein gutes Arbeitgeberimage.
- Eine durchdachte Reputationsstrategie integriert rechtliche Schritte und kommunikative Maßnahmen zur langfristigen Imagepflege.
Wenn das eigene Unternehmensprofil zur Belastung wird
Stellen Sie sich vor: Ein vielversprechender Bewerber recherchiert Ihr Unternehmen – und stößt auf ein Kununu-Profil voller anonymer Anschuldigungen, verzerrter Darstellungen und möglicherweise sogar frei erfundener Erfahrungsberichte. Was als harmlose Arbeitgeberbewertung
Die Digitalisierung hat die Art und Weise, wie potenziel... Mehr begann, hat sich längst zu einer stillen Rufkrise entwickelt, die im Hintergrund Ihr Recruiting sabotiert, Ihre Arbeitgebermarke beschädigt und im schlimmsten Fall sogar Geschäftsbeziehungen belastet. Genau an diesem Punkt fragen sich viele Unternehmerinnen und Unternehmer zum ersten Mal: Lässt sich dieses Kununu-Profil nicht einfach komplett löschen?
Die Frage ist berechtigt, die Antwort darauf allerdings weniger eindeutig, als man es sich wünschen würde. Im Internet kursieren zahlreiche verkürzte Darstellungen, die entweder pauschal behaupten, eine Löschung sei völlig unmöglich, oder die suggerieren, ein einfacher Antrag an die Plattform genüge. Beides greift zu kurz. Die Realität liegt – wie so oft im Recht – dazwischen und erfordert eine differenzierte Betrachtung, die sowohl die rechtlichen Rahmenbedingungen als auch die strategischen Handlungsoptionen berücksichtigt.
In diesem Beitrag erfahren Sie, warum ein Kununu-Firmenprofil nicht auf Knopfdruck verschwindet, unter welchen Voraussetzungen einzelne Inhalte dennoch entfernt werden können und wann ein Profil am Ende tatsächlich faktisch aufhört zu existieren. Darüber hinaus zeige ich Ihnen, welche strategischen Maßnahmen Unternehmen ergreifen können, um ihren guten Ruf auf Kununukununu ist eine Online-Plattform, die es Arbeitnehmern und B... Mehr nachhaltig zu schützen.
Warum sich ein Kununu-Firmenprofil nicht einfach deaktivieren lässt
Der erste Impuls vieler Unternehmen, die sich mit belastenden Bewertungen konfrontiert sehen, ist verständlich: Sie möchten das gesamte Profil abschalten, deaktivieren oder schlicht aus dem Netz entfernen lassen. Dieser Wunsch scheitert jedoch an der geltenden deutschen Rechtslage, und das hat nachvollziehbare Gründe.
Kununu ist als BewertungsplattformBewertungsplattformen sind Online-Websites oder Anwendungen,... Mehr berechtigt, Unternehmensprofile eigenständig anzulegen und zu betreiben – auch ohne die ausdrückliche Zustimmung des betroffenen Unternehmens. Diese Befugnis ergibt sich aus der unternehmerischen Freiheit der Plattform selbst sowie aus der grundrechtlich geschützten MeinungsfreiheitIn einer Zeit, in der jeder Internetnutzer mit wenigen Klick... Mehr der Nutzerinnen und Nutzer, die ihre Erfahrungen als Arbeitnehmer teilen möchten. Die Rechtsprechung hat in den vergangenen Jahren wiederholt bestätigt, dass Arbeitgeberbewertungsportale eine gesellschaftlich relevante Funktion erfüllen, indem sie Transparenz auf dem Arbeitsmarkt fördern und Beschäftigten eine Stimme geben.
Das bedeutet im Klartext: Ein Unternehmen kann nicht einfach an Kununu herantreten und verlangen, dass das eigene Firmenprofil auf Wunsch abgeschaltet oder gelöscht wird. Es gibt keinen „Deaktivieren“-Button, keine Opt-out-Funktion und kein standardisiertes Verfahren, mit dem Arbeitgeber ihr Profil einseitig entfernen können.
Für viele Unternehmen ist diese Erkenntnis zunächst frustrierend. Gerade dann, wenn sie das Gefühl haben, dass die vorhandenen Bewertungen ein verzerrtes Bild zeichnen oder sogar offensichtlich unwahre Behauptungen enthalten, erscheint es ungerecht, dass man dem ausgeliefert sein soll. Doch diese Frustration sollte nicht in Resignation münden – denn die Tatsache, dass ein Profil nicht pauschal gelöscht werden kann, bedeutet keineswegs, dass Unternehmen machtlos sind.
Der rechtliche Unterschied zwischen natürlichen Personen und Unternehmen
Um die Rechtslage rund um Kununu-Profile vollständig zu verstehen, ist ein wesentlicher Unterschied zu beachten, der in der öffentlichen Diskussion häufig untergeht: Die rechtliche Stellung natürlicher Personen unterscheidet sich fundamental von der Stellung juristischer Personen, also Unternehmen.
Natürliche Personen – beispielsweise Ärztinnen und Ärzte, die auf JamedaJameda ist eine deutsche Online-Plattform, die Patienten und... Mehr bewertet werden, oder Privatpersonen, deren Daten im Internet auftauchen – können sich in vielen Fällen auf das Datenschutzrecht berufen, insbesondere auf die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). Das dort verankerte Recht auf Löschung personenbezogener Daten, häufig auch als „Recht auf Vergessenwerden“ bezeichnet, gibt natürlichen Personen unter bestimmten Voraussetzungen einen unmittelbaren Anspruch gegen die Plattform. Zusätzlich steht ihnen das allgemeine PersönlichkeitsrechtEin guter Ruf ist schnell gefährdet – oft durch ein paar ... Mehr zur Seite, das einen umfassenden Schutz der persönlichen Ehre und des guten Rufs gewährleistet.
Unternehmen hingegen befinden sich in einer anderen Position. Sie verfügen zwar über ein sogenanntes UnternehmenspersönlichkeitsrechtWer heute nach einem Unternehmen, einer Praxis oder einer Ka... Mehr, das aus dem allgemeinen Persönlichkeitsrecht abgeleitet wird. Dieses Recht ist jedoch deutlich enger gefasst als das Persönlichkeitsrecht natürlicher Personen. Es schützt vor allem den geschäftlichen Ruf und die wirtschaftliche Betätigung des Unternehmens, bietet aber keinen so weitreichenden Schutz wie das Persönlichkeitsrecht einer Privatperson. Ein pauschales „Recht auf Profil-Löschung“ existiert für Unternehmen daher nicht.
Diese Unterscheidung ist für die Praxis von erheblicher Bedeutung. Sie erklärt, warum beispielsweise ein Arzt unter Umständen die Löschung seines gesamten Jameda-Profils erreichen kann, während ein Unternehmen gegenüber Kununu grundsätzlich nicht denselben Anspruch geltend machen kann. Der Schutz des Unternehmens setzt nicht bei der bloßen Existenz des Profils an, sondern bei den konkreten Inhalten, die dort veröffentlicht werden.
Keine Chance auf Löschung? Im Gegenteil.
An dieser Stelle machen viele Darstellungen im Internet einen entscheidenden Fehler: Sie beenden ihre Analyse mit dem Hinweis, dass eine Löschung des Kununu-Profils rechtlich nicht vorgesehen sei, und lassen ihre Leserinnen und Leser mit dem Eindruck zurück, man könne letztlich nichts tun. Genau das ist jedoch nicht der Fall.
Es stimmt, dass ein bloßes Abmelden oder Abschalten des gesamten Profils nicht möglich ist. Daraus folgt aber nicht, dass ein Firmenprofil zwingend dauerhaft bestehen bleiben muss. Der Schlüssel liegt nicht in der Frage, ob das Profil als solches gelöscht werden kann, sondern in der Frage, ob die einzelnen Inhalte des Profils rechtmäßig sind.
Denn ein Kununu-Firmenprofil ist letztlich nicht mehr als die Summe seiner Inhalte. Das Profil selbst – also die reine Existenz einer Unternehmensseite auf Kununu – ist im Wesentlichen eine leere Hülle. Was das Profil ausmacht, was es sichtbar, relevant und gegebenenfalls belastend werden lässt, sind die konkreten Beiträge, die dort veröffentlicht werden. Und genau diese Inhalte unterliegen sehr wohl rechtlichen Grenzen.
Wann Bewertungen und Inhalte auf Kununu rechtswidrig sind
Um zu verstehen, wann einzelne Bewertungen auf Kununu rechtlich angreifbar sind, lohnt sich ein genauerer Blick auf die verschiedenen Inhaltstypen, die ein Kununu-Profil ausmachen. Dazu gehören Arbeitgeberbewertungen im engeren Sinne, Kommentare zu einzelnen Aspekten des Arbeitsverhältnisses, Gehaltsangaben, Kultur- und Arbeitsumfeldbewertungen sowie Einträge im sogenannten Fragenbereich. Jeder dieser Inhaltstypen kann im Einzelfall rechtswidrig sein und damit einen Löschungsanspruch begründen.
Unwahre Tatsachenbehauptungen
Der häufigste und zugleich rechtlich klarste Löschungsgrund ist die unwahre TatsachenbehauptungEine Tatsachenbehauptung ist eine Aussage, die objektiv übe... Mehr. Sobald eine BewertungIn einer Welt, in der sich Verbraucher binnen Sekunden über... Mehr auf Kununu konkrete Tatsachen behauptet, die nachweislich nicht der Wahrheit entsprechen, ist diese Bewertung rechtswidrig – und zwar unabhängig davon, wie gravierend die Unwahrheit im Einzelfall erscheint.
Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, dass nur „schwerwiegende“ Falschbehauptungen einen Löschungsanspruch begründen. Tatsächlich genügt bereits jede nachweislich unwahre Tatsachenbehauptung, um die Rechtswidrigkeit einer Bewertung zu begründen. Ein Beispiel: Wenn ein ehemaliger Mitarbeiter behauptet, das Unternehmen habe über Monate hinweg keine Gehälter gezahlt, und diese Behauptung nachweislich falsch ist, steht dem Unternehmen ein Löschungsanspruch zu. Gleiches gilt für falsche Angaben zu Arbeitszeiten, Kündigungsgründen oder betrieblichen Abläufen. Entscheidend ist stets, dass es sich um überprüfbare Tatsachenbehauptungen handelt und nicht um reine Meinungsäußerungen, die einer Wahrheitsüberprüfung naturgemäß nicht zugänglich sind.
Die Abgrenzung zwischen Tatsachenbehauptung und MeinungsäußerungEine Meinungsäußerung ist die Verbalisierung oder schriftl... Mehr gehört zu den anspruchsvollsten Fragen des Äußerungsrechts und erfordert eine sorgfältige juristische Analyse. In der Praxis zeigt sich immer wieder, dass viele Bewertungen, die auf den ersten Blick wie reine Meinungsäußerungen wirken, bei genauerer Betrachtung einen überprüfbaren Tatsachenkern enthalten – und damit angreifbar werden.
Strafrechtlich relevante Aussagen
Ein weiterer gewichtiger Löschungsgrund liegt vor, wenn eine Bewertung strafrechtlich relevante Inhalte enthält. Die einschlägigen Straftatbestände sind in den §§ 185 ff. des Strafgesetzbuches geregelt und umfassen insbesondere die BeleidigungIn einer Welt, in der jeder Gedanke binnen Sekunden online g... Mehr, die üble NachredeDie digitale Welt hat die Art, wie wir kommunizieren, grundl... Mehr sowie die VerleumdungWenn falsche Tatsachenbehauptungen über Sie oder Ihr Untern... Mehr.
Eine Beleidigung im Sinne des § 185 StGB liegt vor, wenn eine Äußerung den Betroffenen in seiner Ehre herabsetzt, ohne dass ein sachlicher Bezug erkennbar wäre. Im Kontext von Kununu-Bewertungen kann das beispielsweise der Fall sein, wenn ein ehemaliger Mitarbeiter die Geschäftsführung in herabwürdigender Weise persönlich angreift, ohne dass ein sachlicher Bezug zur Arbeitssituation erkennbar ist.
Üble Nachrede gemäß § 186 StGB setzt voraus, dass jemand eine Tatsache behauptet oder verbreitet, die geeignet ist, den Betroffenen verächtlich zu machen oder in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen, ohne dass die Wahrheit dieser Tatsache erwiesen ist. Verleumdung nach § 187 StGB geht noch einen Schritt weiter und erfasst die Behauptung oder Verbreitung von Tatsachen wider besseres Wissen, also in dem Bewusstsein, dass die Behauptung unwahr ist.
In all diesen Fällen begründet die strafrechtliche Relevanz der Aussage regelmäßig einen zivilrechtlichen Löschungsanspruch gegenüber der Plattform. Kununu ist als Hostprovider zwar grundsätzlich nicht verpflichtet, sämtliche Bewertungen vorab auf ihre Rechtmäßigkeit zu überprüfen. Sobald die Plattform jedoch auf eine konkrete Rechtsverletzung hingewiesen wird, entsteht eine Prüf- und gegebenenfalls Löschpflicht.
Bewertungen ohne tatsächlichen Mitarbeiterbezug
Ein dritter, in der Praxis besonders relevanter Löschungsgrund betrifft Bewertungen, die gar nicht von tatsächlichen oder ehemaligen Mitarbeitern stammen. Kununu erlaubt Arbeitgeberbewertungen ausschließlich durch Personen, die in einem aktuellen oder vergangenen Beschäftigungsverhältnis mit dem bewerteten Unternehmen stehen. Fehlt dieser Bezug, ist die Bewertung bereits aus formalen Gründen unzulässig.
In der Praxis begegnen mir regelmäßig Fälle, in denen Bewertungen offensichtlich nicht von Mitarbeiterinnen oder Mitarbeitern stammen. Manchmal sind es Wettbewerber, die unter dem Deckmantel der Anonymität negative Bewertungen platzieren. In anderen Fällen handelt es sich um Personen aus dem persönlichen Umfeld eines ehemaligen Mitarbeiters, die aus Solidarität oder Rachsucht eine Bewertung verfassen. Gelegentlich lassen sich Bewertungen auch keiner realen Person zuordnen, was insbesondere dann der Fall sein kann, wenn ein Unternehmen sehr klein ist und die beschriebenen Umstände auf keinen tatsächlichen Mitarbeiter passen.
In solchen Fällen kann das betroffene Unternehmen von Kununu verlangen, dass die Plattform die Identität des Bewertenden überprüft beziehungsweise nachweist, dass es sich tatsächlich um einen aktuellen oder ehemaligen Mitarbeiter handelt. Gelingt dieser Nachweis nicht, ist die Bewertung zu entfernen.
Weitere Löschungsgründe in der Praxis
Neben den drei genannten Hauptgründen gibt es weitere Konstellationen, die im Einzelfall zur Rechtswidrigkeit einer Bewertung führen können. Dazu gehören etwa die Verletzung von Betriebsgeheimnissen, die namentliche Nennung einzelner Mitarbeiter ohne deren Einwilligung oder die Offenlegung vertraulicher interner Informationen. Auch Bewertungen, die erkennbar in einem zeitlichen Zusammenhang mit einer arbeitsrechtlichen Auseinandersetzung stehen und ersichtlich als Druckmittel eingesetzt werden, können im Einzelfall als rechtsmissbräuchlich eingestuft werden.
All diese Aspekte zeigen: Die Behauptung, man könne gegen Kununu-Bewertungen nichts unternehmen, ist schlicht falsch. Jede einzelne Bewertung kann und sollte auf ihre Rechtmäßigkeit hin überprüft werden. Und jede rechtswidrige Bewertung begründet einen Anspruch auf Entfernung.
Wann ein Kununu-Firmenprofil faktisch verschwindet
Nun kommen wir zu dem Punkt, der in den meisten Darstellungen zu diesem Thema fehlt und der für Unternehmen von besonderem Interesse ist: Unter welchen Umständen kann ein Kununu-Firmenprofil tatsächlich verschwinden?
Die Antwort folgt aus der bereits beschriebenen Logik, dass ein Kununu-Profil im Wesentlichen die Summe seiner Inhalte ist. Wenn sämtliche Inhalte eines Profils erfolgreich entfernt werden, weil sie rechtswidrig sind, und keinerlei Bewertungen, Gehaltsdaten, Kultur-Einträge oder Fragen mehr vorhanden sind, dann verschwindet das Profil faktisch. Es wird nicht mehr in den Suchergebnissen angezeigt, es ist nicht mehr über die Kununu-Suche auffindbar, und es existiert de facto nicht mehr als eigenständige Seite.
Dieser Weg ist keineswegs theoretisch. In meiner Praxis habe ich wiederholt Fälle betreut, in denen die konsequente juristische Überprüfung und Beanstandung sämtlicher Profilinhalte dazu geführt hat, dass am Ende kein einziger Eintrag mehr verblieben ist – und das Profil damit faktisch aufgehört hat zu existieren. Besonders bei kleineren Unternehmen, deren Kununu-Profil nur wenige Bewertungen aufweist, kann dieser Ansatz realistisch und zielführend sein.
Ob dieser Weg im konkreten Einzelfall sinnvoll und umsetzbar ist, hängt allerdings von einer zentralen Frage ab: Sind tatsächlich alle Inhalte im Profil rechtlich angreifbar, und ist das Unternehmen bereit, diesen Weg konsequent zu verfolgen? Diese Prüfung erfordert nicht nur fundierte Rechtskenntnisse, sondern auch Erfahrung im Umgang mit der Plattform, Fingerspitzengefühl bei der Argumentation gegenüber Kununu und eine klare strategische Linie.
Denn es gibt einen wichtigen Aspekt zu bedenken: Nicht jede Bewertung, die aus Sicht des Unternehmens unfair oder unangemessen erscheint, ist automatisch rechtswidrig. Meinungsäußerungen sind grundsätzlich durch die Meinungsfreiheit geschützt, auch wenn sie negativ, zugespitzt oder subjektiv übertrieben wirken. Die Grenze zwischen einer zulässigen, wenn auch schmerzhaften Meinungsäußerung und einer rechtswidrigen Tatsachenbehauptung verläuft oft fein – und genau auf dieser Grenze entscheidet sich, ob eine vollständige inhaltliche Bereinigung des Profils gelingen kann.
Was Unternehmen stattdessen strategisch tun können
Nicht in jedem Fall ist es sinnvoll oder realistisch, auf die vollständige Entfernung sämtlicher Inhalte eines Kununu-Profils hinzuarbeiten. Insbesondere bei größeren Unternehmen mit einer Vielzahl von Bewertungen wird es häufig einzelne Einträge geben, die zwar unangenehm, aber rechtlich zulässig sind. In solchen Konstellationen empfiehlt sich ein differenzierterer, strategischer Ansatz, der juristische Maßnahmen mit kommunikativen und organisatorischen Schritten kombiniert.
Die juristische Prüfung als Ausgangspunkt
Am Anfang jeder Strategie steht die sorgfältige juristische Prüfung des gesamten Kununu-Profils. Jede einzelne Bewertung, jeder Kommentar und jeder Eintrag wird daraufhin analysiert, ob er rechtlich angreifbar ist. Dabei werden die verschiedenen möglichen Löschungsgründe systematisch geprüft: Handelt es sich um unwahre Tatsachenbehauptungen? Liegen strafrechtlich relevante Aussagen vor? Stammt die Bewertung tatsächlich von einem aktuellen oder ehemaligen Mitarbeiter? Werden Betriebsgeheimnisse offengelegt oder Persönlichkeitsrechte einzelner Mitarbeiter verletzt?
Die Ergebnisse dieser Prüfung bilden die Grundlage für das weitere Vorgehen. Rechtswidrige Inhalte sollten konsequent beanstandet und entfernt werden – und zwar zeitnah, denn je länger eine rechtswidrige Bewertung online bleibt, desto größer ist der potenzielle Schaden für das Arbeitgeberimage.
Das Verfahren zur Beanstandung von Bewertungen bei Kununu folgt einem etablierten Ablauf. Zunächst wird die Plattform auf die konkrete Rechtsverletzung hingewiesen und zur Entfernung der betreffenden Bewertung aufgefordert. Kununu leitet diese Beanstandung in der Regel an den Verfasser der Bewertung weiter und gibt diesem Gelegenheit zur Stellungnahme. In vielen Fällen werden Bewertungen bereits in diesem Stadium entfernt, insbesondere wenn die Rechtsverletzung offensichtlich ist oder der Verfasser keine substanzielle Stellungnahme abgeben kann.
Sollte Kununu die Entfernung einer Bewertung ablehnen, stehen dem betroffenen Unternehmen weitergehende rechtliche Schritte zur Verfügung. Dazu gehört insbesondere die Möglichkeit, die Löschung auf dem Rechtsweg durchzusetzen, sei es im Wege einer einstweiligen Verfügung oder im regulären Klageverfahren. Meine Erfahrung zeigt, dass die konsequente Verfolgung berechtigter Löschungsansprüche in der großen Mehrheit der Fälle erfolgreich ist.
Der Aufbau eines authentischen Bewertungsbilds
Parallel zur juristischen Bereinigung empfiehlt es sich, aktiv an einem ausgewogeneren Bewertungsbild zu arbeiten. In der Praxis zeigt sich immer wieder ein Phänomen, das ich als „Negativitäts-Bias der Bewertungsplattformen“ bezeichne: Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die mit ihrem Arbeitgeber zufrieden sind, sehen in der Regel keinen Anlass, eine Bewertung auf Kununu abzugeben. Wer hingegen unzufrieden ist oder das Unternehmen im Streit verlassen hat, verspürt häufig den Impuls, seiner Frustration in einer Bewertung Ausdruck zu verleihen. Das Ergebnis ist ein verzerrtes Bild, das die tatsächliche Arbeitgebersituation nicht angemessen widerspiegelt.
Diesem Ungleichgewicht können Unternehmen entgegenwirken, indem sie zufriedene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sachlich und transparent dazu ermutigen, ihre Erfahrungen ebenfalls auf Kununu zu teilen. Wichtig ist dabei, dass dies auf eine authentische und freiwillige Weise geschieht. Gekaufte oder gefälschte Bewertungen sind nicht nur ethisch fragwürdig, sondern auch rechtlich riskant und können im schlimmsten Fall zu einer Sperre des Unternehmensprofils führen. Eine sachliche, interne Ansprache hingegen, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Möglichkeit aufzeigt, ihre positiven Erfahrungen zu teilen, ist grundsätzlich zulässig und kann einen erheblichen Beitrag zu einem realistischeren Gesamtbild leisten.
Aktive Profilpflege als Zeichen von Professionalität
Ein weiterer strategischer Baustein ist die aktive Pflege des Kununu-Profils. Viele Unternehmen begehen den Fehler, ihr Kununu-Profil zu ignorieren oder bestenfalls passiv zu beobachten. Dabei bietet die Plattform durchaus Möglichkeiten, als Arbeitgeber Präsenz zu zeigen und in den Dialog zu treten.
Sachliche und wertschätzende Antworten auf Bewertungen – auch und gerade auf kritische – signalisieren Professionalität und Dialogbereitschaft. Potenzielle Bewerberinnen und Bewerber, die ein Kununu-Profil lesen, achten häufig nicht nur auf die Bewertungen selbst, sondern auch darauf, wie der Arbeitgeber mit Feedback
In einer Welt, in der digitale Bewertungen über Erfolg ... Mehr umgeht. Ein Unternehmen, das auf Kritik sachlich eingeht, Verbesserungsbereitschaft signalisiert und die eigene Position nachvollziehbar darlegt, hinterlässt einen deutlich besseren Eindruck als eines, das Bewertungen kommentarlos stehen lässt.
Darüber hinaus bietet der Fragenbereich auf Kununu die Möglichkeit, sich als Arbeitgeber zu positionieren und häufig gestellte Fragen proaktiv zu beantworten. Auch die Aktualisierung der Unternehmensinformationen und die Darstellung der Arbeitgebervorteile tragen dazu bei, ein vollständigeres und differenzierteres Bild des Unternehmens zu vermitteln.
Die Bedeutung einer klaren Reputationsstrategie
Die Erfahrung zeigt, dass Unternehmen, die ihren Umgang mit Kununu strategisch angehen, deutlich bessere Ergebnisse erzielen als solche, die lediglich auf einzelne negative Bewertungen reagieren. Eine durchdachte Reputationsstrategie berücksichtigt sowohl die kurzfristigen Maßnahmen, also die juristische Prüfung und Entfernung rechtswidriger Inhalte, als auch die langfristige Positionierung des Unternehmens als attraktiver Arbeitgeber.
Dabei ist es wesentlich, zwischen den verschiedenen Ebenen des Reputationsmanagements zu unterscheiden. Die juristische Ebene befasst sich mit der Durchsetzung berechtigter Löschungsansprüche und der Abwehr rechtswidriger Angriffe auf den Unternehmensruf. Die kommunikative Ebene umfasst die Art und Weise, wie das Unternehmen auf Bewertungen reagiert und sich auf der Plattform präsentiert. Die organisatorische Ebene schließlich betrifft die internen Maßnahmen, die dazu beitragen, die Zufriedenheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu erhöhen und damit die Grundlage für positive Bewertungen zu schaffen.
Nur wenn alle drei Ebenen zusammenwirken, entsteht ein nachhaltiger Schutz des Arbeitgeberimages. Die beste juristische Strategie verpufft, wenn das Unternehmen intern keine Maßnahmen ergreift, um die Ursachen negativer Bewertungen zu adressieren. Umgekehrt nützt auch die größte Mitarbeiterzufriedenheit wenig, wenn rechtswidrige Bewertungen unwidersprochen im Netz stehen und das Gesamtbild verzerren.
Typische Fehler im Umgang mit Kununu-Bewertungen
In meiner langjährigen Beratungspraxis begegnen mir immer wieder bestimmte Fehler, die Unternehmen im Umgang mit Kununu-Bewertungen machen. Diese Fehler können die Situation verschärfen und die Durchsetzung berechtigter Ansprüche erheblich erschweren.
Ein häufiger Fehler besteht darin, auf negative Bewertungen emotional oder konfrontativ zu reagieren. Wer als Arbeitgeber in einem öffentlichen Kommentar aggressiv wird, den Verfasser persönlich angreift oder gar droht, schadet dem eigenen Ansehen oft mehr als die ursprüngliche Bewertung. Potenzielle Bewerberinnen und Bewerber nehmen solche Reaktionen sehr genau wahr und ziehen daraus Rückschlüsse auf die Unternehmenskultur.
Ein weiterer Fehler ist die sogenannte „Salamitaktik“, bei der einzelne Bewertungen sporadisch und ohne übergeordnete Strategie beanstandet werden. Dieses Vorgehen ist in der Regel ineffizient und führt selten zu nachhaltigen Ergebnissen. Deutlich erfolgversprechender ist ein systematischer Ansatz, bei dem zunächst das gesamte Profil analysiert und dann eine koordinierte Strategie entwickelt wird.
Schließlich beobachte ich häufig, dass Unternehmen zu lange warten, bevor sie rechtliche Schritte einleiten. Je länger eine rechtswidrige Bewertung online bleibt, desto größer ist nicht nur der ReputationsschadenIn der digitalen Geschäftswelt von heute kann sich der gute... Mehr, sondern desto schwieriger kann es auch werden, die Bewertung im Nachhinein entfernen zu lassen. Zügiges Handeln ist daher in den allermeisten Fällen ratsam.
Was Unternehmen jetzt wissen sollten
Die rechtliche Lage rund um Kununu-Firmenprofile lässt sich auf wenige zentrale Erkenntnisse zusammenfassen: Ein Kununu-Profil kann nicht pauschal auf Wunsch des Unternehmens gelöscht oder deaktiviert werden. Einzelne Inhalte können jedoch sehr wohl auf ihre Rechtmäßigkeit hin überprüft und bei Vorliegen von Verstößen entfernt werden. Wenn sämtliche Inhalte eines Profils erfolgreich entfernt werden, verschwindet das Profil faktisch. Darüber hinaus stehen Unternehmen zahlreiche strategische Maßnahmen zur Verfügung, um ihr Arbeitgeberimage auf Kununu aktiv zu gestalten und zu schützen.
Die rechtliche Bewertung von Kununu-Inhalten ist dabei stets komplex und einzelfallabhängig. Pauschale Aussagen, die entweder absolute Hoffnung oder völlige Hoffnungslosigkeit vermitteln, werden der Realität selten gerecht. Jedes Unternehmensprofil, jede Bewertung und jede Situation ist anders und erfordert eine individuelle juristische Analyse.
Juristische Unterstützung bei Kununu-Bewertungen
Meine Kanzlei ist auf Reputationsrecht und den rechtlichen Umgang mit Bewertungsplattformen spezialisiert. Der Schwerpunkt meiner Tätigkeit liegt seit vielen Jahren auf der rechtlichen Prüfung und Durchsetzung von Löschungsansprüchen gegenüber Kununu und anderen Bewertungsportalen.
Ich prüfe bundesweit Kununu-Profile auf rechtliche Angriffspunkte und zeige Ihnen transparent auf, welche Bewertungen realistisch entfernt werden können und welche nicht. Dabei geht es mir nicht darum, unrealistische Erwartungen zu wecken, sondern darum, Ihnen eine ehrliche und fundierte Einschätzung Ihrer individuellen Situation zu geben. Ob es um die Entfernung einzelner rechtswidriger Bewertungen geht oder um die Frage, ob eine vollständige inhaltliche Bereinigung Ihres Profils realistisch ist – ich zeige Ihnen die Möglichkeiten auf und entwickle gemeinsam mit Ihnen eine maßgeschneiderte Strategie.
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