Inhaltsverzeichnis
- Warum die Perspektive der Arbeitgeber zu kurz kommt
- Kann man eine Kununu-Bewertung löschen lassen?
- Meinungsfreiheit endet dort, wo Rechte verletzt werden
- Wann Kununu-Bewertungen konkret unzulässig sind
- 1. Bewertungen von Personen, die nie dort gearbeitet oder sich beworben haben
- 2. Inhalte, die nicht überprüfbare Tatsachen behaupten
- 3. Bewertungen nach Konflikten oder Kündigungen mit erkennbar persönlichem Nachtreten
- 4. Serienbewertungen unter wechselnden Identitäten
- 5. Bewertungen, bei denen der angebliche Kontakt nicht verifizierbar ist
- Der Prüfmechanismus von Kununu – und sein strukturelles Kernproblem
- OLG Hamburg (Az. 7 W 11/24): Echtheit muss überprüfbar sein
- Warum geschwärzte Tätigkeitsnachweise nicht genügen
- Datenschutz ist kein Hindernis für Transparenz
- Warum rechtliches Vorgehen kein Reputationsschaden ist
- Nachhaltiger Reputationsschutz für Arbeitgeber – mehr als nur Dialogangebote
- Die Rolle des Anwalts im Kununu-Prüfverfahren
- Häufig gestellte Fragen zur Löschung von Kununu-Bewertungen – FAQ
- Die aktuelle Rechtslage im Februar 2026 – ein Überblick
- Fazit: Was Arbeitgeber jetzt wissen müssen
- Kostenfreie Ersteinschätzung zu Ihrem Kununu-Profil
Das Wichtigste in Kürze: Kununu-Bewertung löschen
- Arbeitgeber unterschätzen oft ihre Rechte bei negativen Kununu-Bewertungen und glauben, sie müssten alles hinnehmen.
- Das OLG Hamburg hat klargestellt, dass BewertungenBewertungen sind Rückmeldungen oder Beurteilungen von Produ... Mehr gelöscht werden können, wenn ihre Echtheit nicht überprüfbar ist.
- MeinungsfreiheitIn einer Zeit, in der jeder Internetnutzer mit wenigen Klick... Mehr hat Grenzen; unwahre Tatsachenbehauptungen und SchmähkritikIn den unendlichen Weiten des Internets, wo jeder Nutzer zum... Mehr sind nicht geschützt und können rechtlich angefochten werden.
- Ein rechtlich fundiertes Vorgehen schützt die Arbeitgebermarke und zeigt, dass das Unternehmen sich gegen ungerechtfertigte Kritik wehrt.
- Vertrauen Sie auf rechtliche Unterstützung, um Ihre Chancen auf eine Löschung von rechtswidrigen Bewertungen zu erhöhen.
Warum die Perspektive der Arbeitgeber zu kurz kommt
Wer bei GoogleGoogle LLC ist ein US-amerikanisches Technologieunternehmen,... Mehr nach Begriffen wie „Kann man eine Kununu-Bewertung löschen?“ oder „Sind Kununu-Bewertungen anonym?“ sucht, stößt seit Jahren auf immer dieselben Ergebnisse: Beiträge der Arbeitgeberbewertungsplattform Kununukununu ist eine Online-Plattform, die es Arbeitnehmern und B... Mehr selbst dominieren die Suchergebnisse. Diese Artikel erklären ausführlich, wie Kununu eigene interne Prüfungen durchführt, weshalb Bewertungen aus Sicht der Plattform online bleiben sollen und warum Meinungsfreiheit ein hohes Gut ist.
Was dabei jedoch regelmäßig fehlt – und was für betroffene Arbeitgeber entscheidend ist – ist die rechtliche Perspektive. Insbesondere die Frage, welche Rechte Unternehmen tatsächlich haben, wenn Bewertungen nicht überprüfbar, missbräuchlich oder unter dem Deckmantel der Anonymität gezielt rufschädigend eingesetzt werden, bleibt in diesen Darstellungen nahezu vollständig unbeantwortet.
Dieser Beitrag schließt diese Lücke. Er stellt die Rechtslage juristisch korrekt dar, beleuchtet die wegweisende Rechtsprechung des Oberlandesgerichts Hamburg aus dem Jahr 2024 (Az. 7 W 11/24) und zeigt Arbeitgebern auf, welche konkreten Handlungsmöglichkeiten ihnen zur Verfügung stehen, um ihren guten Ruf effektiv zu schützen.
Kann man eine Kununu-Bewertung löschen lassen?
Die pauschale Antwort, die viele Arbeitgeber hören möchten, lautet: Ja – wenn die BewertungIn einer Welt, in der sich Verbraucher binnen Sekunden über... Mehr rechtlich nicht haltbar ist.
Allerdings ist eine wichtige Differenzierung notwendig. Arbeitgeber können Bewertungen nicht nach Belieben entfernen lassen. Kein Gericht und kein Anwalt kann eine Bewertung allein deshalb beseitigen, weil sie negativ oder unangenehm ist. Das Recht auf Meinungsfreiheit ist grundgesetzlich geschützt – und dieses Recht gilt auch für Arbeitnehmer und Bewerber, die ihre Erfahrungen auf Plattformen wie Kununu teilen.
Entscheidend ist jedoch nicht, ob eine Bewertung negativ oder emotional formuliert ist. Entscheidend ist, ob sie rechtlich zulässig und authentisch ist. Und genau hier liegt der Kern des gesamten Themas: Es gibt zahlreiche Konstellationen, in denen eine Bewertung die Grenzen des rechtlich Zulässigen überschreitet – und in denen Arbeitgeber sehr wohl erfolgreich die Löschung durchsetzen können.
In meiner langjährigen anwaltlichen Praxis im Bereich Reputationsschutz und IT-Recht erlebe ich täglich, dass Arbeitgeber ihre Rechte unterschätzen. Viele gehen davon aus, sie müssten jede Bewertung einfach hinnehmen. Das ist ein Irrtum, der sie teuer zu stehen kommen kann – nicht in Form von Anwaltskosten, sondern in Form verlorener Bewerber, beschädigter Arbeitgebermarken und eines nachhaltigen Imageschadens.
Meinungsfreiheit endet dort, wo Rechte verletzt werden
Kununu beruft sich regelmäßig und öffentlich auf die Meinungsfreiheit. Das ist grundsätzlich nachvollziehbar, denn Bewertungsplattformen leisten durchaus einen Beitrag zur Transparenz am Arbeitsmarkt. Aber die Meinungsfreiheit ist kein absolutes Recht. Sie hat Grenzen – und diese Grenzen sind im deutschen Recht klar definiert.
Nicht geschützt durch die Meinungsfreiheit sind insbesondere:
- Unwahre Tatsachenbehauptungen: Wer in einer Bewertung Fakten behauptet, die objektiv nicht zutreffen, kann sich nicht auf die Meinungsfreiheit berufen. Das gilt beispielsweise für falsche Angaben über Gehaltszahlungen, erfundene Vorfälle am Arbeitsplatz oder unwahre Darstellungen über Arbeitsbedingungen.
- VerleumdungWenn falsche Tatsachenbehauptungen über Sie oder Ihr Untern... Mehr, üble NachredeDie digitale Welt hat die Art, wie wir kommunizieren, grundl... Mehr und Schmähkritik: Wenn eine Bewertung nicht mehr der Auseinandersetzung in der Sache dient, sondern ausschließlich darauf abzielt, das Unternehmen herabzusetzen, liegt eine Schmähkritik vor. Auch die Verbreitung bewusst unwahrer Behauptungen, die den Ruf eines Unternehmens schädigen, erfüllt strafrechtliche Tatbestände.
- Bewertungen ohne tatsächlichen Mitarbeiter- oder Bewerberkontakt: Kununu ist als Plattform für echte Erfahrungsberichte konzipiert. Wer nie bei einem Unternehmen gearbeitet oder sich dort beworben hat, hat keinen legitimen Grund für eine Bewertung auf dieser Plattform.
- Mehrfach- und Kampagnenbewertungen: Wenn eine einzelne Person unter verschiedenen Identitäten oder Accounts mehrere Bewertungen abgibt, um den Gesamteindruck eines Arbeitgeberprofils gezielt negativ zu beeinflussen, handelt es sich um Missbrauch.
- Bewertungen, deren Echtheit nicht überprüfbar ist: Und hier kommen wir zu dem Punkt, der in der Praxis am häufigsten unterschätzt wird – und der durch die Rechtsprechung des OLG Hamburg entscheidend gestärkt wurde.
In all diesen Fällen greift das sogenannte UnternehmenspersönlichkeitsrechtWer heute nach einem Unternehmen, einer Praxis oder einer Ka... Mehr. Dieses Recht schützt Unternehmen vor rufschädigenden Darstellungen in der Öffentlichkeit und begründet einen Anspruch auf Unterlassung und Beseitigung – also auch auf Löschung rechtswidriger Bewertungen.
Wann Kununu-Bewertungen konkret unzulässig sind
Aus meiner anwaltlichen Praxis, in der ich Unternehmen und Freiberufler bundesweit bei der Löschung unberechtigter Bewertungen unterstütze, sind folgende Konstellationen besonders häufig und besonders relevant:
1. Bewertungen von Personen, die nie dort gearbeitet oder sich beworben haben
Dies kommt häufiger vor, als die meisten Arbeitgeber annehmen. Ehemalige Geschäftspartner, Wettbewerber oder frustrierte Dritte nutzen Kununu mitunter als Plattform, um ein Unternehmen gezielt zu schädigen. Da Kununu die Anmeldung mit geringem Aufwand ermöglicht und die Identitätsprüfung erst im Beanstandungsfall stattfindet, ist die Hürde für solche Manipulationen niedrig.
2. Inhalte, die nicht überprüfbare Tatsachen behaupten
Wenn eine Bewertung konkrete Vorwürfe enthält – etwa bezüglich angeblicher Diskriminierung, Gesetzesverstöße oder Mobbing – handelt es sich um Tatsachenbehauptungen, die dem Beweis zugänglich sein müssen. Kann der Bewertende diese Tatsachen nicht belegen und kann der Arbeitgeber sie substantiiert bestreiten, entfällt der Schutz der Meinungsfreiheit.
3. Bewertungen nach Konflikten oder Kündigungen mit erkennbar persönlichem Nachtreten
Nach Beendigung eines Arbeitsverhältnisses – insbesondere nach Kündigungen – kommt es regelmäßig zu emotional gefärbten Bewertungen, die weniger der sachlichen Auseinandersetzung dienen als vielmehr der persönlichen Vergeltung. Solche Bewertungen können als Schmähkritik einzuordnen sein, wenn die persönliche Herabsetzung im Vordergrund steht.
4. Serienbewertungen unter wechselnden Identitäten
In meiner Praxis begegne ich regelmäßig Fällen, in denen ein und dieselbe Person – erkennbar an identischen Formulierungen, zeitlichen Mustern oder inhaltlichen Überschneidungen – mehrere Bewertungen unter verschiedenen Accounts abgibt. Diese Form des Missbrauchs ist besonders schädlich, weil sie den Eindruck einer breiten negativen Stimmung erzeugt, die in Wirklichkeit nicht existiert.
5. Bewertungen, bei denen der angebliche Kontakt nicht verifizierbar ist
Dieser Punkt wird in der Praxis am häufigsten unterschätzt – und er ist rechtlich der entscheidende. Denn selbst wenn eine Bewertung inhaltlich keine offensichtlichen Rechtsverstöße enthält, kann sie dennoch unzulässig sein, wenn die Echtheit des zugrunde liegenden Kontakts nicht überprüfbar ist. Das OLG Hamburg hat hierzu wegweisend Stellung bezogen.
Der Prüfmechanismus von Kununu – und sein strukturelles Kernproblem
Um zu verstehen, warum die Rechtsprechung des OLG Hamburg so bedeutsam ist, muss man zunächst den internen Prüfmechanismus von Kununu kennen.
So funktioniert die Prüfung bei Kununu
Wenn ein Arbeitgeber eine Bewertung beanstandet – sei es direkt über das Portal oder über einen beauftragten Rechtsanwalt – leitet Kununu ein sogenanntes internes Prüfverfahren ein. Dabei wendet sich die Plattform an den Verfasser der Bewertung und fordert ihn auf, einen sogenannten Tätigkeitsnachweis vorzulegen.
Als Tätigkeitsnachweise akzeptiert Kununu unter anderem:
- Arbeitsverträge
- Gehaltsabrechnungen
- Arbeits- oder Zwischenzeugnisse
- Aufhebungsverträge
- Bewerbungsunterlagen oder vergleichbare Dokumente
Diese Unterlagen müssen vom Verfasser im Klarformat an Kununu übermittelt werden. Kununu nimmt anschließend eine nahezu vollständige Schwärzung der übermittelten Dokumente vor und leitet sie in dieser Form an den beanstandenden Arbeitgeber bzw. dessen beauftragten Rechtsanwalt weiter.
Das Problem: Vollständige Schwärzung verhindert jede Überprüfung
Für den Arbeitgeber bedeutet dieses Verfahren konkret:
- Keine Identitätsprüfung möglich: Der Arbeitgeber erfährt nicht, wer die Bewertung verfasst hat. Name, Personalnummer und sonstige individualisierende Merkmale sind vollständig geschwärzt.
- Kein Abgleich mit der eigenen Personal- oder Bewerberdatenbank: Da keine individualisierenden Informationen übermittelt werden, kann der Arbeitgeber nicht überprüfen, ob die Person tatsächlich in einem Arbeitsverhältnis stand oder sich jemals beworben hat.
- Keine Überprüfung der Dokumentenechtheit: Der Arbeitgeber kann weder feststellen, ob das vorgelegte Dokument tatsächlich von seinem Unternehmen stammt, noch ob die im Dokument genannte Person mit dem Verfasser der Bewertung identisch ist.
Missbrauchspotential ist erheblich
Theoretisch – und in der Praxis keineswegs auszuschließen – können auf diesem Weg:
- Fremde Dokumente vorgelegt werden (z. B. ein Zeugnis, das einem Dritten gehört)
- Alte, nicht mehr relevante Zeugnisse verwendet werden
- KI-generierte oder manipulierte Unterlagen eingereicht werden, ohne dass der Arbeitgeber dies auch nur ansatzweise erkennen kann
Das System basiert letztlich auf dem Vertrauen darauf, dass Kununu die Prüfung korrekt durchführt. Für den Arbeitgeber ist das Ergebnis dieser Prüfung jedoch eine Black Box – er hat keine Möglichkeit, die Richtigkeit des Ergebnisses nachzuvollziehen.
OLG Hamburg (Az. 7 W 11/24): Echtheit muss überprüfbar sein
Genau an dieser strukturellen Schwachstelle setzt der wegweisende Beschluss des Oberlandesgerichts Hamburg vom 08.02.2024 (Az. 7 W 11/24) an. Dieses Verfahren hat die Rechte der Arbeitgeber im Zusammenhang mit anonymen Kununu-Bewertungen maßgeblich gestärkt.
Der Sachverhalt
In dem Verfahren hatte eine Arbeitgeberin die Löschung zweier negativer Bewertungen auf Kununu gefordert. Sie bestritt, dass die Bewertungen von tatsächlichen Mitarbeitern oder Bewerbern stammten. Kununu leitete das übliche Prüfverfahren ein, holte Tätigkeitsnachweise ein und legte der Arbeitgeberin stark geschwärzte Dokumente vor.
Das LandgerichtEin Landgericht ist ein Gericht der ordentlichen Gerichtsbar... Mehr Hamburg hatte die geschwärzten Nachweise zunächst als ausreichend erachtet und die Löschungsforderung abgelehnt.
Die Entscheidung des OLG Hamburg
Das OLG Hamburg sah dies grundlegend anders und hob die Entscheidung auf. Das Gericht stellte dabei nicht nur auf klassische Rechtsverletzungen wie BeleidigungIn einer Welt, in der jeder Gedanke binnen Sekunden online g... Mehr oder unwahre Tatsachenbehauptungen ab, sondern auf einen wesentlich grundlegenderen Punkt:
Wenn ein Arbeitgeber substantiiert bestreitet, dass überhaupt ein Mitarbeiter- oder Bewerberkontakt bestand, muss das Portal eine Überprüfung ermöglichen, die der Arbeitgeber selbst nachvollziehen kann.
Eine rein interne Prüfung des Portals genügt nach Auffassung des Gerichts nicht, wenn:
- die Identität des Bewertenden nicht individualisiert wird, und
- der Arbeitgeber den behaupteten Kontakt nicht verifizieren kann.
Die entscheidende Konsequenz: Kann diese Überprüfbarkeit nicht hergestellt werden, ist die Bewertung zu löschen.
Warum diese Entscheidung so bedeutsam ist
Die Tragweite dieses Beschlusses kann kaum überschätzt werden. Denn das OLG Hamburg hat damit einen Grundsatz formuliert, der weit über den Einzelfall hinausgeht:
Anonymität darf nicht dazu führen, dass ein Arbeitgeber der Willkür ausgeliefert ist.
Bis zu dieser Entscheidung war es gängige Praxis, dass Kununu das Vorliegen eines Tätigkeitsnachweises als ausreichend betrachtete – unabhängig davon, ob der Arbeitgeber diesen Nachweis nachvollziehen konnte oder nicht. Das OLG Hamburg hat diese Praxis grundlegend infrage gestellt und den Arbeitgebern ein wirksames Instrument an die Hand gegeben.
Warum geschwärzte Tätigkeitsnachweise nicht genügen
Das OLG Hamburg macht in seinem Beschluss unmissverständlich deutlich:
Echtheit setzt Überprüfbarkeit voraus.
Stark geschwärzte Nachweise:
- Verhindern jeden Identitätsabgleich: Der Arbeitgeber kann nicht feststellen, ob die im Dokument genannte Person tatsächlich existiert, geschweige denn, ob sie identisch mit dem Bewertenden ist.
- Lassen keine Zuordnung zur realen Person zu: Ohne individualisierende Merkmale ist es schlicht unmöglich, den behaupteten Kontakt zum Unternehmen zu verifizieren.
- Machen den Arbeitgeber vollständig abhängig vom Portal: Der gesamte Prüfprozess liegt in den Händen einer Plattform, die ein wirtschaftliches Eigeninteresse daran hat, möglichst viele Bewertungen online zu halten. Ein neutrales Prüfverfahren sieht anders aus.
Damit entsteht ein strukturelles Ungleichgewicht, das der deutschen Rechtsschutzordnung widerspricht. Der Bewertende kann anonym Behauptungen aufstellen, während der Arbeitgeber keine Möglichkeit hat, sich effektiv dagegen zu verteidigen. Das Gericht hat klargestellt, dass dieser Zustand rechtsstaatlich nicht hinnehmbar ist.
Datenschutz ist kein Hindernis für Transparenz
Eines der häufigsten Gegenargumente, das Kununu und auch einige Kommentatoren in der Öffentlichkeit vorbringen, lautet: Der Datenschutz verbiete jede Identifizierung des Bewertenden.
Diese Argumentation greift jedoch zu kurz und ist in dieser Pauschalität unzutreffend.
Warum der Datenschutz hier nicht als Schutzschild dienen kann
- Der Bewerter hat es selbst in der Hand: Niemand zwingt den Verfasser einer Bewertung zur Anonymität. Wer eine Bewertung abgibt und sich dabei auf tatsächliche Erfahrungen stützt, kann einer ungeschwärzten oder zumindest hinreichend individualisierenden Übermittlung seiner Nachweise an den Arbeitgeber zustimmen.
- Bewusste Entscheidung für Anonymität: Entscheidet sich der Bewertende dafür, seine Identität unter keinen Umständen preiszugeben, ist dies sein gutes Recht. Aber diese Entscheidung hat Konsequenzen.
- Anonymität hat Grenzen: Das Recht auf anonyme MeinungsäußerungEine Meinungsäußerung ist die Verbalisierung oder schriftl... Mehr ist kein absolutes Recht. Es endet dort, wo es die Rechte Dritter – in diesem Fall des bewerteten Arbeitgebers – in unzumutbarer Weise einschränkt.
Die rechtliche Konsequenz
Anonymität ist zulässig – aber nicht um jeden Preis.
Wenn die Anonymität dazu führt, dass die Echtheit einer Bewertung nicht überprüft werden kann, und der Arbeitgeber substantiiert bestreitet, dass ein Kontakt stattgefunden hat, muss die Bewertung entfernt werden. Der Bewertende hat es dabei selbst in der Hand: Er kann seine Anonymität aufgeben und den Nachweis führen – oder er akzeptiert, dass seine Bewertung nicht bestehen bleibt.
Diese Balance zwischen Meinungsfreiheit und Rechtsschutz ist kein Novum im deutschen Recht. Sie entspricht vielmehr dem allgemeinen Grundsatz, dass die Ausübung eigener Rechte ihre Grenze dort findet, wo sie die Rechte anderer unverhältnismäßig beeinträchtigt.
Warum rechtliches Vorgehen kein Reputationsschaden ist
Kununu selbst und auch verschiedene Stimmen in der öffentlichen Diskussion warnen regelmäßig davor, anwaltlich gegen Bewertungen vorzugehen. Die Argumentation lautet sinngemäß: Wer juristisch gegen Bewertungen vorgeht, wirkt unsouverän und riskiert einen zusätzlichen ReputationsschadenIn der digitalen Geschäftswelt von heute kann sich der gute... Mehr.
Diese pauschale Einschätzung hält weder einer rechtlichen noch einer praktischen Betrachtung stand.
Die Realität zeigt ein anderes Bild
- Bewerber erwarten Fairness und Rechtsstaatlichkeit: Qualifizierte Fachkräfte schätzen Arbeitgeber, die souverän, aber konsequent mit unbegründeter Kritik umgehen. Ein Unternehmen, das sich gegen offensichtlich ungerechtfertigte oder gefälschte Bewertungen wehrt, zeigt Stärke – keine Schwäche.
- Unternehmen müssen sich nicht anonym diffamieren lassen: Es gehört zu den Grundpfeilern des Rechtsstaats, dass niemand haltlose Anschuldigungen hinnehmen muss. Das gilt für natürliche Personen ebenso wie für Unternehmen.
- Untätigkeit wirkt häufig schwächer als konsequentes Handeln: In meiner Beratungspraxis erlebe ich regelmäßig, dass Unternehmen, die über Jahre hinweg keine Maßnahmen gegen rechtswidrige Bewertungen ergriffen haben, mit einer erheblich geschädigten Arbeitgebermarke konfrontiert sind. Die Kosten der Untätigkeit – in Form verlorener Bewerber und erschwerter Personalgewinnung – übersteigen die Kosten eines anwaltlichen Vorgehens in aller Regel deutlich.
Der strategische Ansatz
Ein sachlich begründetes rechtliches Vorgehen schützt die Arbeitgebermarke – es beschädigt sie nicht. Wichtig ist dabei die richtige Strategie: Nicht jede negative Bewertung sollte juristisch angegriffen werden. Aber dort, wo Bewertungen rechtswidrig sind, wo ihre Echtheit nicht überprüfbar ist oder wo erkennbar Missbrauch vorliegt, ist ein konsequentes Vorgehen nicht nur berechtigt, sondern geboten.
Nachhaltiger Reputationsschutz für Arbeitgeber – mehr als nur Dialogangebote
Kununu empfiehlt Arbeitgebern regelmäßig, auf negative Bewertungen mit Kommentaren, Dialogangeboten und den Tools des Arbeitgeberprofils zu reagieren. Diese Maßnahmen können tatsächlich sinnvoll sein – als ergänzende Kommunikationsmaßnahmen.
Wo Dialog an seine Grenzen stößt
Sie ersetzen jedoch keinen rechtlichen Schutz, wenn:
- Echtheit nicht überprüfbar ist: Ein Dialogangebot unter einer gefälschten Bewertung legitimiert diese nur zusätzlich. Der Kommentar des Arbeitgebers steht dann neben einer möglicherweise frei erfundenen Darstellung – und Leser nehmen beides als gleichwertig wahr.
- Anonymität missbraucht wird: Wenn jemand gezielt und unter wechselnden Identitäten Bewertungen abgibt, hilft kein Dialogangebot. Hier ist eine rechtliche Klärung der einzige wirksame Weg.
- Bewertungen strategisch eingesetzt werden: Gelegentlich sind negative Kununu-Bewertungen keine spontanen Erfahrungsberichte, sondern werden gezielt als Druckmittel oder Vergeltungsinstrument eingesetzt – etwa im Rahmen laufender arbeitsrechtlicher Auseinandersetzungen oder durch Wettbewerber.
Der nachhaltigste Weg zum Schutz der Arbeitgebermarke
Aus meiner Erfahrung in der Vertretung zahlreicher Unternehmen bundesweit hat sich folgender mehrstufiger Ansatz als besonders wirksam erwiesen:
- Rechtlich unzulässige Bewertungen konsequent entfernen lassen: Jede rechtswidrige Bewertung, die online bleibt, entfaltet tagtäglich Wirkung. Je länger sie abrufbar ist, desto größer der kumulative Schaden.
- Echtheit konsequent überprüfen lassen: Arbeitgeber sollten bei jeder zweifelhaften Bewertung das Prüfverfahren einleiten und – gestützt auf die Rechtsprechung des OLG Hamburg – auf eine nachvollziehbare Überprüfung bestehen.
- Quellen von RufschädigungIn der heutigen digital vernetzten Welt ist der gute Ruf ein... Mehr identifizieren und unterbinden: In einigen Fällen ist es möglich, die Identität des Bewertenden zu ermitteln. Dies eröffnet weitergehende Ansprüche auf Unterlassung und gegebenenfalls Schadensersatz.
- Kontrolle über die eigene Außendarstellung zurückgewinnen: Ein professionell gepflegtes Arbeitgeberprofil, authentische positive Bewertungen und eine aktive Kommunikationsstrategie bilden das Fundament einer starken Arbeitgebermarke.
Die Rolle des Anwalts im Kununu-Prüfverfahren
Viele Arbeitgeber fragen sich, ob sie das Prüfverfahren bei Kununu selbst einleiten können oder ob anwaltliche Unterstützung notwendig ist.
Grundsätzlich können Arbeitgeber auch eigenständig Bewertungen bei Kununu beanstanden. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass die Erfolgsquote bei anwaltlicher Vertretung signifikant höher ist. Dafür gibt es mehrere Gründe:
- Juristische Argumentation: Die Beanstandung muss rechtlich fundiert begründet werden. Pauschale Aussagen wie „Diese Bewertung ist falsch“ genügen nicht. Es bedarf einer präzisen Darlegung, warum die Bewertung rechtswidrig ist – unter Bezugnahme auf einschlägige Rechtsprechung und die konkreten Umstände des Einzelfalls.
- Kenntnis der aktuellen Rechtsprechung: Die Rechtslage im Bereich der Online-Bewertungen ist dynamisch. Neben dem OLG Hamburg haben auch andere Gerichte – etwa das OLG Dresden (Urteil vom 17.12.2024, Az. 4 U 744/24) oder das OLG Celle – wichtige Entscheidungen getroffen, die bei der Argumentation berücksichtigt werden müssen.
- Druckaufbau gegenüber der Plattform: Ein anwaltliches Schreiben signalisiert Kununu, dass der Arbeitgeber bereit ist, seine Rechte auch gerichtlich durchzusetzen. Dies erhöht die Bereitschaft zur Kooperation erheblich.
- Vorbereitung gerichtlicher Schritte: Sollte Kununu die Löschung verweigern, muss zeitnah über die Einleitung eines gerichtlichen Verfahrens – etwa eines einstweiligen Verfügungsverfahrens – entschieden werden. Hier zählt Schnelligkeit, und eine frühzeitige anwaltliche Begleitung vermeidet Zeitverlust.
Häufig gestellte Fragen zur Löschung von Kununu-Bewertungen – FAQ
Kann jede negative Kununu-Bewertung gelöscht werden?
Nein. Negative Bewertungen, die auf tatsächlichen Erfahrungen beruhen und keine Rechtsverletzungen enthalten, sind durch die Meinungsfreiheit geschützt. Eine Löschung kommt nur in Betracht, wenn die Bewertung rechtswidrig ist oder ihre Echtheit nicht überprüfbar ist.
Was bedeutet „substantiiertes Bestreiten“?
Der Arbeitgeber muss konkret darlegen, warum er den behaupteten Kontakt anzweifelt. Es genügt nicht, pauschal zu behaupten, die Bewertung sei falsch. Vielmehr muss beispielsweise dargelegt werden, dass im relevanten Zeitraum keine Einstellung oder Bewerbung stattgefunden hat, die zur Bewertung passen könnte.
Was passiert, wenn Kununu die Löschung ablehnt?
In diesem Fall steht der gerichtliche Weg offen. Insbesondere im Wege der einstweiligen Verfügung kann eine schnelle Entscheidung herbeigeführt werden. Die Rechtsprechung des OLG Hamburg bietet hierfür eine starke argumentative Grundlage.
Kann der Verfasser der Bewertung ermittelt werden?
In bestimmten Konstellationen ist dies möglich. Das OLG Hamburg hat klargestellt, dass Kununu entweder die Identität offenlegen oder die Bewertung löschen muss. In der Praxis entscheidet sich Kununu häufig für die Löschung. In einzelnen Fällen kann jedoch auch ein Auskunftsanspruch durchgesetzt werden, der die Identifizierung des Verfassers ermöglicht.
Muss ich als Arbeitgeber befürchten, dass das juristische Vorgehen publik wird?
Das gerichtliche Verfahren gegen Kununu ist grundsätzlich nicht öffentlich einsehbar. Auch die Löschung einer Bewertung erfolgt ohne Hinweis darauf, dass ein rechtliches Verfahren zugrunde lag. In der Praxis erfährt die Öffentlichkeit von einem solchen Vorgehen in der Regel nichts.
Die aktuelle Rechtslage im Februar 2026 – ein Überblick
Die Rechtslage im Bereich der Arbeitgeberbewertungen hat sich in den vergangenen zwei Jahren erheblich weiterentwickelt. Die wichtigsten Eckpunkte im Überblick:
- OLG Hamburg (08.02.2024, Az. 7 W 11/24): Wegweisende Entscheidung zur Überprüfbarkeit von Kununu-Bewertungen. Kernaussage: Wenn der Arbeitgeber den Kontakt substantiiert bestreitet und die Plattform keine nachvollziehbare Überprüfung ermöglicht, ist die Bewertung zu löschen.
- OLG Dresden (17.12.2024, Az. 4 U 744/24): Das Gericht hat die Grenzen der Meinungsfreiheit bei Arbeitgeberbewertungen weiter konkretisiert und zugleich Vorgaben für den Umgang mit anonymen Bewertungen gemacht.
- Zunehmende Bedeutung der KI-Problematik: Mit der fortschreitenden Verbreitung von KI-Tools wächst auch das Risiko gefälschter Dokumente und Bewertungen. Die Gerichte werden sich zunehmend mit der Frage befassen müssen, wie Echtheitsprüfungen im Zeitalter künstlicher Intelligenz gestaltet werden können.
Die Tendenz der Rechtsprechung ist klar: Die Rechte der Arbeitgeber werden gestärkt, ohne die Meinungsfreiheit grundsätzlich einzuschränken. Es geht nicht darum, kritische Stimmen zu unterdrücken, sondern darum, sicherzustellen, dass Bewertungen echt und überprüfbar sind.
Fazit: Was Arbeitgeber jetzt wissen müssen
Kununu erklärt in seinen eigenen Beiträgen ausführlich, wie Plattformprozesse funktionieren, warum Anonymität geschützt wird und weshalb Bewertungen aus Sicht des Portals online bleiben sollen.
Das ist die Perspektive der Plattform. Arbeitgeber müssen jedoch eine andere Frage beantworten:
Welche Rechte habe ich – und wann muss eine Bewertung gelöscht werden?
Die Antwort ist klar und durch die aktuelle Rechtsprechung belegt:
- Nicht nur bei Beleidigung oder offensichtlicher Unwahrheit kann eine Löschung durchgesetzt werden.
- Sondern auch dann, wenn die Echtheit einer Bewertung nicht überprüfbar ist – wenn der Arbeitgeber den Kontakt substantiiert bestreitet und das Portal keine nachvollziehbare Verifizierung ermöglicht.
Das hat das OLG Hamburg im Jahr 2024 unmissverständlich klargestellt. Und diese Rechtsprechung entfaltet ihre Wirkung bis heute.
Wer als Arbeitgeber negative Kununu-Bewertungen auf seinem Profil hat, die zweifelhaft erscheinen, sollte nicht abwarten. Je länger eine rechtswidrige oder nicht überprüfbare Bewertung online steht, desto größer wird der Schaden für die Arbeitgebermarke.
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Meine Kanzlei ist auf Reputationsschutz und digitale Rufschädigung spezialisiert. Mit über 25 Jahren Erfahrung im IT-Recht und ReputationsmanagementDer erste Eindruck entscheidet oft über Erfolg oder Misserf... Mehr unterstütze ich Unternehmen, Ärzte und Freiberufler bundesweit bei der Durchsetzung ihrer Rechte gegenüber Bewertungsplattformen.
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✅ ob sie authentisch überprüfbar sind, und
✅ ob eine Entfernung oder Verfasserermittlung durchsetzbar ist.
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