Eine kununu-Bewertung ist nicht deshalb rechtswidrig, weil sie unfair ist. Sie wird angreifbar an drei Punkten – und der wirksamste hat mit ihrem Inhalt nichts zu tun: War der Verfasser überhaupt bei Ihnen beschäftigt?
Bestreiten Sie das substantiiert, muss kununu den Verfasser konfrontieren und sich den Kontakt belegen lassen. Antwortet er nicht oder bleibt er vage, muss die Bewertung weg – unabhängig davon, ob die Kritik inhaltlich berechtigt wäre.
Dieser Beitrag zeigt, worauf es dabei ankommt: welche drei Angriffspunkte es gibt, was in eine Beanstandung gehört und was auf keinen Fall hinein, was es kostet und was Arbeitgeber regelmäßig falsch machen – und zwar so, dass es die Löschung verhindert.
Die drei Angriffspunkte
Die Unterscheidung zwischen Tatsachenbehauptung und Meinung entscheidet fast jeden Fall. Eine Meinung ist geschützt, auch wenn sie ungerecht ist. Eine Tatsachenbehauptung lässt sich überprüfen – und wenn sie falsch ist, muss sie weg. Deshalb lohnt es sich, eine Bewertung nicht als Ganzes zu betrachten, sondern Satz für Satz. In vielen Texten stecken zwei bis drei überprüfbare Aussagen zwischen ansonsten zulässigen Werturteilen.
Zur Nennung von Namen gibt es eine eigene Linie, die oft übersehen wird: Wer einen Vorgesetzten namentlich mit einem Vorwurf verbindet, greift in dessen Persönlichkeitsrecht ein – und der Anspruch steht dann dieser Person zu, nicht dem Unternehmen. Dazu habe ich ausführlich geschrieben: Personenbezogene Daten in kununu-Bewertungen.
Und wenn es keine Bewertung ist, sondern eine Frage?
Neben den Bewertungen hat ein kununu-Profil einen Fragenbereich, in dem Nutzer öffentlich Fragen zum Unternehmen stellen können. Er wird bei der Reputationskontrolle oft übersehen – und er ist angreifbar wie eine Bewertung.
Der entscheidende Punkt dabei: Eine Frage ist nicht schon deshalb zulässig, weil sie ein Fragezeichen hat. Wer schreibt „Stimmt es, dass die Geschäftsführung kurz vor der Insolvenz steht?“ oder „Warum werden dort eigentlich keine Überstunden bezahlt?“, stellt keine Frage, sondern verbreitet eine Behauptung in Frageform. Rechtlich wird eine solche Äußerung danach beurteilt, wie ein durchschnittlicher Leser sie versteht – und er versteht sie als Tatsachenbehauptung. Ist diese unwahr, gelten dieselben Maßstäbe wie bei einer Bewertung.
Daneben greifen die Portalrichtlinien: Fragen, die Beschäftigte namentlich nennen, die Betriebsinterna offenlegen oder beleidigend formuliert sind, verstoßen gegen die Regeln des Portals – unabhängig von der rechtlichen Bewertung. Eine Beanstandung sollte deshalb beides benennen.
Und hier gilt besonders: nicht inhaltlich antworten. Die Versuchung ist im Fragenbereich größer als bei einer Bewertung, weil eine Frage nach einer Antwort verlangt. Wer aber auf „Stimmt es, dass …?“ sachlich eingeht, bestätigt die Relevanz der Unterstellung und macht sie durch die eigene Antwort dauerhaft sichtbar – oft an prominenter Stelle im Profil. Erst prüfen lassen, dann entscheiden, ob überhaupt geantwortet wird.
Was kununu prüfen muss
Das Portal haftet nicht für jede Bewertung von Anfang an. Sobald es aber eine konkrete Beanstandung erhält, treffen es eigene Prüfpflichten. Der Bundesgerichtshof hat sie für Bewertungsportale entwickelt (Urteil vom 1. März 2016 – VI ZR 34/15), und für kununu hat das Oberlandesgericht Hamburg sie ausdrücklich bestätigt: Das Portal muss den Bewerter überprüfbar machen – oder die Bewertung löschen (OLG Hamburg, 7 W 11/24).
Was das Portal konkret tun muss
Sie müssen nicht beweisen, dass die Person nie bei Ihnen gearbeitet hat. Diesen Negativbeweis könnte niemand führen. Sie müssen darlegen, warum sich die Schilderung nicht zuordnen lässt – falsche Abteilung, genannter Zeitraum ohne Einstellungen, beschriebene Abläufe, die es im Betrieb nicht gibt. Den Nachweis einzuholen ist dann Sache des Portals.
Was in die Beanstandung gehört
Der häufigste Grund für eine Ablehnung ist nicht die Rechtslage, sondern die Formulierung. Eine Meldung, die sinngemäß mitteilt, die Bewertung sei unzutreffend und schade dem Unternehmen, löst keine Prüfpflicht aus. Sie muss entweder das Beschäftigungsverhältnis konkret bestreiten oder eine bestimmte Aussage als nachweisbar falsch benennen.
Die rechte Spalte verdient eine Erläuterung, weil sie der Intuition widerspricht. Wer dem Portal mitteilt, man wisse genau, wer das geschrieben habe, und nenne auch den Grund, gibt personenbezogene Daten eines Beschäftigten an einen Dritten weiter – und bestätigt nebenbei, dass die Person tatsächlich bei Ihnen gearbeitet hat. Damit ist der stärkste Angriffspunkt verbraucht, bevor das Verfahren begonnen hat.
Drei Fehler, die die Löschung kosten
Öffentlich inhaltlich antworten. kununu stellt eine Kommentarfunktion bereit, und eine kurze sachliche Antwort ist unbedenklich. Wer aber den Ablauf richtigstellt – „der geschilderte Vorfall war in Wahrheit so und so“ –, bestätigt damit das Beschäftigungsverhältnis. Die Löschung über den stärksten Hebel ist dann erledigt. Mehr dazu: Kommentar posten, um eine Bewertung zu entkräften?
Im Betrieb nach dem Verfasser suchen. Die Frage „wer war das?“ in einer Teamrunde erzeugt ein Klima, das weitere Bewertungen wahrscheinlicher macht, nicht seltener. Arbeitsrechtlich ist sie heikel: Wer Beschäftigte wegen einer zulässigen Meinungsäußerung benachteiligt, verstößt gegen das Maßregelungsverbot (§ 612a BGB).
Mitarbeiter zu positiven Bewertungen auffordern. Der verbreitetste Rat zu diesem Thema – und der gefährlichste. Bewertungen, die auf Veranlassung des Arbeitgebers entstehen, ohne dass das erkennbar ist, sind je nach Ausgestaltung eine irreführende geschäftliche Handlung nach § 5 UWG. Gegenüber Beschäftigten kommt der Druck hinzu, dem sie sich schwer entziehen können. Und kununu erkennt solche Wellen: Im schlimmsten Fall verlieren Sie das ganze Profil.
Kosten und Dauer
Die Ersteinschätzung ist kostenlos. Für das außergerichtliche Verfahren vereinbare ich einen festen Betrag von 190 Euro netto pro Bewertung, vorab, ohne Abrechnung nach Aufwand. Bei mehreren Bewertungen in einem Vorgang nenne ich vorher eine Gesamtsumme.
Rechnen Sie mit mehreren Wochen bis zur Entscheidung des Portals. Maßgeblich ist weniger kununu als die Frage, ob der Verfasser auf die Aufforderung reagiert. Bleibt eine Antwort aus, geht es schneller, nicht langsamer.
Für die Planung wichtig: Für ein späteres gerichtliches Eilverfahren gilt eine Dringlichkeitsfrist von je nach Oberlandesgericht etwa vier bis acht Wochen ab Kenntnis. Wer das Portalverfahren vollständig abwartet, hat sie unter Umständen verbraucht. Der gerichtliche Weg sollte deshalb von Anfang an mitgedacht werden, auch wenn er in den meisten Fällen nicht nötig wird.
Ob eine Rechtsschutzversicherung eintritt, hängt vom Tarif ab. Ein Betriebsrechtsschutz mit Persönlichkeitsrechtsbaustein deckt den Bereich häufig ab. Das lässt sich vor der Beauftragung klären.
Wenn kununu ablehnt
Eine Ablehnung ist kein Endpunkt. Seit Geltung des Digital Services Act muss das Portal seine Entscheidung mitteilen und über die Rechtsbehelfe informieren (Art. 16 Abs. 5 der Verordnung (EU) 2022/2065). Von dort führen zwei Wege weiter: das interne Beschwerdeverfahren nach Art. 20 DSA und die zertifizierten außergerichtlichen Streitbeilegungsstellen nach Art. 21 DSA. Beide stehen auch demjenigen offen, dessen Meldung abgelehnt wurde.
Bleibt es dabei, kommt die einstweilige Verfügung in Betracht – und bei einem bekannten oder zuordenbaren Verfasser der Unterlassungsanspruch gegen ihn selbst (§§ 1004 Abs. 1 Satz 2, 823 Abs. 1 BGB analog). Letzterer ist der wirksamere Weg, wenn nach jeder Löschung die nächste Bewertung erscheint: Eine strafbewehrte Unterlassungserklärung macht jeden weiteren Verstoß kostenpflichtig.
Was vorbeugend wirklich hilft
Zur Vorbeugung wird viel geraten, das wenig bringt – Profilpflege mit Fotos, mehr positive Bewertungen, aktives Monitoring. Zwei Dinge wirken tatsächlich, und beide haben mit dem Portal nichts zu tun.
Ein geregeltes Austrittsgespräch. Die meisten rechtswidrigen Bewertungen entstehen nicht aus Berechnung, sondern aus dem Gefühl, am Ende nicht gehört worden zu sein. Ein strukturiertes Gespräch beim Ausscheiden – geführt von jemandem, der nicht Konfliktpartei war – verhindert mehr Bewertungen als jede Reaktionsstrategie.
Eine klare Zuständigkeit. Legen Sie vorher fest, wer eine neue Bewertung sieht und wer antworten darf. In vielen Unternehmen hat die Personalabteilung Zugriff auf das Profil, und eine gut gemeinte, inhaltlich antwortende Reaktion aus dem Team richtet den Schaden an, der oben beschrieben ist. Diese eine Festlegung kostet nichts und rettet den stärksten Angriffspunkt.
Zu Verschwiegenheitsklauseln im Arbeitsvertrag, die oft als Lösung gehandelt werden, habe ich gesondert geschrieben – sie helfen bei Bewertungen weniger, als man annimmt: Verhindern Geheimhaltungsklauseln negative Bewertungen?
Häufige Fragen
Muss ich beweisen, dass die Person nie bei uns gearbeitet hat?
Nein. Sie müssen das Beschäftigungsverhältnis substantiiert bestreiten, also darlegen, warum sich die Schilderung nicht zuordnen lässt – falsche Abteilung, Zeitraum ohne Einstellungen, Abläufe, die es nicht gibt. Den Nachweis einzuholen ist Sache des Portals.
Erfahre ich, wer die Bewertung geschrieben hat?
Freiwillig gibt ein Portal die Daten nicht heraus, und einen einfachen Anspruch darauf gibt es nicht. Es gibt aber einen gesetzlichen Weg: den Auskunftsanspruch nach § 21 Abs. 2 TDDDG. Er wird nicht beim Portal geltend gemacht, sondern in einem eigenen Gestattungsverfahren vor Gericht – erst wenn das Gericht es erlaubt, darf das Portal die Daten herausgeben.
Die Hürde ist hoch, und das sollte man vorher wissen: Es genügt nicht, dass die Bewertung rechtswidrig ist. Ihr Inhalt muss einen der im Gesetz aufgezählten Straftatbestände erfüllen – in Betracht kommen vor allem Beleidigung, üble Nachrede und Verleumdung (§§ 185 bis 187 StGB). Herausgegeben werden außerdem nur Bestandsdaten wie Name, Anschrift oder E-Mail-Adresse, keine IP-Adressen. Ob dieser Weg offensteht, prüfe ich in der Ersteinschätzung mit.
Ich habe die Bewertung schon gemeldet – ohne Erfolg. Bringt ein zweiter Versuch etwas?
Mit derselben Begründung nicht. Eine Meldung, die nur mitteilt, die Bewertung sei unzutreffend, löst keine Prüfpflicht aus. Wirksam wird sie erst, wenn sie entweder das Beschäftigungsverhältnis bestreitet oder eine konkrete Aussage als nachweisbar falsch benennt.
Lohnt sich eine Beanstandung bei älteren Bewertungen noch?
Häufig sogar eher als bei neuen. Portale kontaktieren den Verfasser über die bei der Registrierung hinterlegte E-Mail-Adresse. Nach mehreren Jahren ist diese oft nicht mehr aktuell – die Aufforderung erreicht ihn nicht, er kann nichts belegen, und die Bewertung bleibt gelöscht.
Darf ich Mitarbeiter bitten, eine positive Bewertung zu schreiben?
Davon rate ich ab. Bewertungen, die auf Veranlassung des Arbeitgebers entstehen, ohne dass das erkennbar ist, können eine irreführende geschäftliche Handlung nach § 5 UWG sein. Gegenüber Beschäftigten kommt der Druck hinzu, dem sie sich schwer entziehen können. Und das Portal erkennt solche Wellen – im schlimmsten Fall ist das ganze Profil betroffen.
Bewertung prüfen lassen
Schicken Sie mir den Link zur Bewertung und eine kurze Angabe, ob sich die Schilderung einem Beschäftigungsverhältnis zuordnen lässt. Personaldaten brauche ich dafür nicht. Sie erfahren, welcher Angriffspunkt trägt – und auch, wenn sich nichts machen lässt.
Alles zum Ablauf und zu den Kosten: kununu-Bewertung löschen lassen
