kununu beanstandet: so läuft die Prüfung wirklich ab

Kurz gefasst

Nach einer substantiierten Beanstandung nimmt kununu die Bewertung in der Regel binnen weniger Tage vorläufig offline und fordert den Verfasser auf, seinen Kontakt zum Unternehmen zu belegen. Das ist noch keine Löschung – es ist der Beginn der Prüfung.

Entschieden wird der Fall in Stufe zwei, und zwar überwiegend dadurch, ob der Verfasser überhaupt antwortet. Bleibt eine belastbare Rückmeldung aus, bleibt die Bewertung gelöscht. Legt er Belege vor, geht sie wieder online – und dann beginnt der eigentliche Streit.

Was „beanstandet“ bedeutet – und was nicht

Der häufigste Irrtum gleich zu Beginn: Eine beanstandete Bewertung ist nicht gelöscht. Sie ist deaktiviert. Das sieht von außen identisch aus – im Profil erscheint sie nicht mehr –, rechtlich und praktisch ist es aber etwas völlig anderes. Die Bewertung liegt weiter vor, der Vorgang läuft, und sie kann jederzeit zurückkommen.

Unternehmen, die das nicht wissen, machen an dieser Stelle zwei Fehler. Sie melden Vollzug an die Geschäftsführung, obwohl noch nichts entschieden ist. Und sie hören auf, den Vorgang zu verfolgen – und bemerken Wochen später nicht, dass die Bewertung wieder dasteht.

Ein praktischer Hinweis dazu: Notieren Sie die im Profil angezeigte Gesamtnote unmittelbar vor der Beanstandung und noch einmal nach der Deaktivierung. Ob eine deaktivierte Bewertung in dieser Zeit noch in die Durchschnittsnote einfließt, lässt sich von außen nicht zuverlässig feststellen. Der Vergleich der beiden Werte sagt es Ihnen – und die Dokumentation brauchen Sie ohnehin, wenn später über den Schaden gestritten wird.

Stufe 1: Die Bewertung geht offline

Nach Eingang einer Beanstandung prüft kununu zunächst formal: Ist der Vorgang nachvollziehbar geschildert? Wird ein konkreter Rechtsverstoß oder ein Richtlinienverstoß benannt? Lässt sich die Rüge an den Verfasser weiterleiten, ohne dessen Daten preiszugeben?

Fällt diese Prüfung positiv aus, wird die Bewertung vorläufig deaktiviert. Nach meiner Erfahrung aus laufenden Verfahren geschieht das meist innerhalb von drei bis vier Tagen.

Genau hier entscheidet sich allerdings schon ein erheblicher Teil der Fälle – nämlich die, die es gar nicht bis zur Deaktivierung schaffen. Eine Beanstandung, die nur mitteilt, die Bewertung sei unzutreffend oder unfair, löst keine Prüfpflicht aus. Sie wird mit einem Standardtext beantwortet, und der Vorgang ist beendet, bevor er begonnen hat.

Stufe 2: kununu konfrontiert den Verfasser

Das ist die Stufe, in der die Fälle tatsächlich entschieden werden. kununu leitet die Beanstandung an den Verfasser weiter und fordert ihn auf, Stellung zu nehmen und seinen Kontakt zum Unternehmen zu belegen.

Diese Pflichtenkette ist keine Kulanz des Portals, sondern Folge der Rechtsprechung. Der Bundesgerichtshof hat für Bewertungsportale entschieden, dass sich der Betreiber nach einer substantiierten Rüge nicht auf eine automatisierte Prüfung zurückziehen darf, sondern den Sachverhalt beim Verfasser aufklären muss (BGH, Urteil vom 1. März 2016 – VI ZR 34/15).

Was der Verfasser vorlegen muss

Verlangt wird ein Nachweis des Beschäftigungs-, Ausbildungs- oder Bewerbungsverhältnisses. In Betracht kommen etwa ein Arbeitsvertrag, eine Gehaltsabrechnung, ein Zeugnis oder eine Einladung zum Vorstellungsgespräch – jeweils mit der Möglichkeit, personenbezogene Daten zu schwärzen.

Entscheidend für Sie als Unternehmen ist die Lastenverteilung: Sie müssen nicht beweisen, dass dort niemand gearbeitet hat. Der Verfasser muss belegen, dass er dort war. Das klingt nach einer Nuance, ist aber der eigentliche Grund, warum dieser Weg funktioniert – den Negativbeweis könnte ein Unternehmen gar nicht führen.

Der Punkt, an dem die meisten Verfahren kippen

kununu kontaktiert den Verfasser über die E-Mail-Adresse, die bei der Registrierung hinterlegt wurde. Bei Bewertungen, die drei oder fünf Jahre alt sind, ist diese Adresse häufig nicht mehr aktuell – ein alter Arbeitgeberaccount, eine aufgegebene Freemail-Adresse, ein gewechselter Anbieter.

Die Aufforderung erreicht ihn dann nicht. Er kann nichts belegen. Und die Bewertung bleibt gelöscht, ohne dass über ihren Inhalt je gesprochen wurde.

Das ist kein Randfall, sondern bei länger zurückliegenden Beschäftigungsverhältnissen eher der Regelfall. Es ist zugleich der Grund, warum sich eine Beanstandung auch bei alten Bewertungen lohnt, die man längst abgehakt hatte – und warum die Erfolgsaussicht bei einer fünf Jahre alten Bewertung oft höher ist als bei einer von letzter Woche.

Die Entscheidung: drei mögliche Ausgänge

Bewertung bleibt gelöscht

Der Verfasser antwortet nicht, antwortet zu spät oder legt keinen tragfähigen Nachweis vor. Die Deaktivierung wird dauerhaft.

Der häufigste Ausgang – und er hängt nicht am Inhalt.
Bewertung geht wieder online

Der Verfasser belegt seinen Kontakt. Der Weg über das fehlende Beschäftigungsverhältnis ist damit erschöpft.

Jetzt entscheidet der Inhalt – Satz für Satz.
Teilweise entfernt

Einzelne Passagen verschwinden, der Rest bleibt. Kommt vor, wenn eine Aussage gegen die Richtlinien verstößt, die Bewertung insgesamt aber getragen ist.

Oft die realistischere Lösung als alles oder nichts.

Seit Geltung des Digital Services Act muss die Plattform ihre Entscheidung begründen (Art. 16 der Verordnung (EU) 2022/2065). Das ist praktisch nützlicher, als es klingt: Eine Ablehnung ohne Begründung müssen Sie nicht hinnehmen, und die Begründung selbst ist der Ansatzpunkt für den nächsten Schritt. Wird Ihre Beschwerde zurückgewiesen, steht zusätzlich das interne Beschwerdeverfahren nach Art. 20 DSA offen.

Wenn die Bewertung wieder online geht

Dieser Moment wird oft als Niederlage verbucht. Er ist eher ein Wechsel der Ebene.

Belegt ist jetzt nur eines: dass der Verfasser Kontakt zum Unternehmen hatte. Über den Inhalt seiner Bewertung sagt das nichts. Die zweite Beanstandung setzt deshalb anders an – sie zerlegt den Text und greift einzelne Aussagen an:

  • Überprüfbare Aussagen heraussuchen. „Überstunden wurden nie bezahlt“ lässt sich mit Ja oder Nein beantworten, „die Stimmung war vergiftet“ nicht. Nur die erste Art von Aussage ist angreifbar.
  • Gegen die eigenen Unterlagen prüfen. Lohnabrechnungen, Zeiterfassung, Schriftverkehr. Was sich widerlegen lässt, wird wörtlich zitiert beanstandet, nicht sinngemäß.
  • Den vorgelegten Nachweis hinterfragen. Belegt er wirklich ein Beschäftigungsverhältnis mit Ihrem Unternehmen – oder mit einer Tochtergesellschaft, einem Dienstleister, einem anderen Standort? Deckt er den Zeitraum ab, über den die Bewertung spricht?

Bleibt die Bewertung auch danach stehen, geht es um den Unterlassungsanspruch aus §§ 1004 Abs. 1 Satz 2, 823 Abs. 1 BGB. Welche Schritte dann in Betracht kommen und was sie kosten, habe ich auf der Seite kununu-Bewertung löschen lassen zusammengestellt.

Was Sie während des Verfahrens nicht tun sollten

Drei Fehler, die laufende Verfahren kosten

Den Verfasser ansprechen. Wer glaubt zu wissen, wer geschrieben hat, und das Gespräch sucht, riskiert bei aktuellen Mitarbeitern einen Verstoß gegen das Maßregelungsverbot des § 612a BGB – und bringt den Verfasser dazu, doch noch auf die Aufforderung von kununu zu reagieren.

Öffentlich antworten, solange die Bewertung offline ist. Kommt sie zurück, steht Ihre Antwort darunter – und bestätigt genau das Beschäftigungsverhältnis, das Sie bestreiten.

Abwarten, ob sich die Sache von selbst erledigt. Für ein gerichtliches Eilverfahren gilt eine Dringlichkeitsfrist von je nach Oberlandesgericht etwa vier bis acht Wochen ab Kenntnis. Wer das Portalverfahren vollständig abwartet, hat sie unter Umständen verbraucht.

Die Dauer im Überblick

Typischer Verlauf

Tag 0 Beanstandung geht ein kununu prüft, ob die Rüge substantiiert ist und weitergeleitet werden kann. Wer hier pauschal formuliert, kommt nicht weiter.
Tag 3 bis 4 Bewertung wird deaktiviert Sie verschwindet aus dem Profil. Gelöscht ist sie damit nicht – notieren Sie jetzt die angezeigte Gesamtnote.
Wochen 1 bis 6 Der Verfasser ist am Zug Die längste und ereignisärmste Phase. Von außen passiert nichts – entschieden wird sie trotzdem hier.
Etwa Woche 8 Entscheidung mit Begründung Gelöscht, reaktiviert oder teilweise entfernt. Die Begründung ist der Ansatzpunkt für alles Weitere.

Diese Zeiträume sind Erfahrungswerte aus eigenen Verfahren, keine zugesicherten Fristen. Die Spanne hängt weniger vom Portal ab als davon, ob und wie schnell der Verfasser reagiert.

Vier Szenarien – und was das Portal jeweils tun muss

Nach einer wirksamen Beanstandung liegt der Ball beim Portal. Wie es weitergeht, hängt allein davon ab, wie der Verfasser reagiert. Vier Verläufe sind möglich, und drei davon enden gut für das Unternehmen.

Löschung Der Verfasser meldet sich nicht
Der häufigste Verlauf. Reagiert er innerhalb der gesetzten Frist nicht, kann das Portal den Kontakt nicht belegen – die Bewertung muss weg. Besonders oft bei älteren Bewertungen, weil die hinterlegte E-Mail-Adresse nicht mehr aktuell ist.
Löschung Er antwortet, bleibt aber vage
Eine Stellungnahme allein genügt nicht. Verlangt ist eine möglichst genaue Schilderung und, soweit vorhanden, ein Beleg. Wer nur sinngemäß erklärt, er sei dort beschäftigt gewesen, erfüllt das nicht – und auch dann muss die Bewertung entfernt werden.
Zweite Runde Er legt Belege vor
Dann muss das Portal Ihnen weitergeben, was es datenschutzrechtlich weitergeben darf – notfalls geschwärzt oder mit einem größeren Zeitfenster, damit die Person nicht identifizierbar wird. Jetzt können Sie gegen Ihre eigenen Unterlagen prüfen und erneut Stellung nehmen. Der Angriffspunkt verschiebt sich damit vom Kontakt auf den Inhalt: Welche Aussagen im Text sind nachweisbar unwahr?
Löschung Die Weitergabe scheitert
Der Punkt, der am meisten wert ist und am seltensten genannt wird: Kann das Portal die Angaben aus rechtlichen oder tatsächlichen Gründen nicht so aufbereiten, dass sich der Kontakt überprüfen lässt, geht das zu seinen Lasten – nicht zu Ihren. Es muss dann löschen. Das Portal trägt das Risiko seiner eigenen Anonymitätszusage.

Diesen letzten Punkt hat das Oberlandesgericht Hamburg für kununu ausdrücklich entschieden: Das Portal muss den Bewerter überprüfbar machen – oder die Bewertung löschen. Ausführlich dazu: OLG Hamburg, 7 W 11/24. Dass die Belege des Bewerters an das Unternehmen weiterzugeben sind, hat auch das Oberlandesgericht Frankfurt am Main bestätigt: OLG Frankfurt am Main, 16 W 40/26.

Was Sie daraus mitnehmen sollten: Die Beanstandung ist kein Bittgesuch. Sie löst ein Verfahren aus, in dem nicht Sie etwas beweisen müssen, sondern das Portal etwas belegen lassen muss – und in dem jedes Scheitern dieser Aufklärung zu Lasten des Portals geht. Deshalb kommt es so sehr darauf an, wie die Rüge formuliert ist: Sie entscheidet, ob dieses Verfahren überhaupt in Gang kommt.

Häufige Fragen

Ist eine deaktivierte Bewertung schon gelöscht?

Nein. Die Deaktivierung ist vorläufig und gilt nur für die Dauer der Prüfung. Legt der Verfasser einen Nachweis vor, geht die Bewertung wieder online. Verfolgen Sie den Vorgang deshalb weiter, auch wenn im Profil nichts mehr zu sehen ist.

Erfahre ich, wer die Bewertung geschrieben hat?

Nein. Weder im Prüfverfahren noch danach gibt das Portal die Identität preis. Ein Auskunftsanspruch auf Herausgabe der Bestandsdaten besteht nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs nicht ohne Weiteres (BGH, Beschluss vom 1. Juli 2014 – VI ZR 345/13). Das Verfahren funktioniert auch ohne diese Kenntnis.

Kann ich dieselbe Bewertung zweimal beanstanden?

Ja, wenn die zweite Beanstandung auf einen anderen Grund gestützt wird. Wurde der Beschäftigungskontakt belegt, setzt die zweite Rüge beim Inhalt an: bei einer konkreten, nachweisbar unwahren Aussage. Dieselbe Begründung ein zweites Mal einzureichen, führt dagegen zu nichts.

Lohnt sich eine Beanstandung bei alten Bewertungen noch?

Häufig sogar eher als bei neuen. kununu kontaktiert den Verfasser über die bei der Registrierung hinterlegte E-Mail-Adresse. Nach mehreren Jahren ist diese oft nicht mehr aktuell – die Aufforderung erreicht ihn nicht, er kann nichts belegen, und die Bewertung bleibt gelöscht.

Was gilt, wenn kununu die Beanstandung ohne Begründung ablehnt?

Die Plattform ist nach Art. 16 der Verordnung (EU) 2022/2065 verpflichtet, ihre Entscheidung zu begründen. Bleibt die Begründung aus oder erschöpft sie sich in einem Standardtext, können Sie das interne Beschwerdeverfahren nach Art. 20 DSA einleiten.

Beanstandung läuft – und Sie kommen nicht weiter?

Schicken Sie mir den Link zur Bewertung und die Antwort, die Sie von kununu erhalten haben. Ich sage Ihnen, woran es hängt und welcher Schritt als Nächstes trägt. Die Ersteinschätzung ist kostenlos.

Rechtsanwalt Thomas Feil · Fachanwalt für IT-Recht, Hannover 0511 47 39 06-0 anwalt@thomas-feil.de

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