📋 Zusammenfassung
🔍 Aktuelle Rechtslage: Das OLG Hamburg hat mit seinem wegweisenden Beschluss vom 08.02.2024 (Az. 7 W 11/24) die Rechte von Arbeitgebern bei der Löschung von Kununu-Bewertungen erheblich gestärkt.
⚖️ Kernaussage: Kununukununu ist eine Online-Plattform, die es Arbeitnehmern und B... Mehr muss entweder die Identität des Bewertenden offenlegen oder die BewertungIn einer Welt, in der sich Verbraucher binnen Sekunden über... Mehr löschen, wenn der Arbeitgeber den Kontakt substantiiert bestreitet.
🛡️ Unternehmensschutz: Das UnternehmenspersönlichkeitsrechtWer heute nach einem Unternehmen, einer Praxis oder einer Ka... Mehr schützt Arbeitgeber vor rufschädigenden, unwahren oder nicht verifizierbaren BewertungenBewertungen sind Rückmeldungen oder Beurteilungen von Produ... Mehr.
📝 Handlungsoptionen: Arbeitgeber können über das interne Meldeverfahren von Kununu, außergerichtliche Aufforderungen oder gerichtliche Schritte gegen rechtswidrige Bewertungen vorgehen.
🚫 Grenzen der MeinungsfreiheitIn einer Zeit, in der jeder Internetnutzer mit wenigen Klick... Mehr: Unwahre Tatsachenbehauptungen, SchmähkritikIn den unendlichen Weiten des Internets, wo jeder Nutzer zum... Mehr, VerleumdungWenn falsche Tatsachenbehauptungen über Sie oder Ihr Untern... Mehr und Bewertungen ohne tatsächlichen Kontakt sind nicht von der Meinungsfreiheit geschützt.
💡 Praxistipp: Ein schnelles und konsequentes Handeln mit anwaltlicher Unterstützung erhöht die Erfolgsquote bei der Durchsetzung von Löschungsansprüchen erheblich.
Das Wichtigste in Kürze: Februar 2026 – Kununu-Löschung
- Das OLG Hamburg hat am 08.02.2024 die Rechte von Arbeitgebern bei der Löschung von Kununu-Bewertungen gestärkt.
- Kununu muss die Identität des Bewerters offenlegen oder die Bewertung löschen, wenn der Arbeitgeber den Kontakt bestreitet.
- Negative Bewertungen dürfen nicht anonym bleiben, und Arbeitgeber können rechtlich gegen unwahre oder rufschädigende Äußerungen vorgehen.
- Ein schnelles und strategisches Vorgehen mit anwaltlicher Unterstützung erhöht die Chancen für die Löschung von ungerechtfertigten Bewertungen.
- Die Entwicklung der Rechtsprechung zeigt, dass Arbeitgeber sich aktiv gegen rechtswidrige Bewertungen wehren können, ohne die Meinungsfreiheit zu unterdrücken.
Inhaltsverzeichnis
- 📋 Zusammenfassung
- Die Bedeutung von Kununu im modernen Arbeitsmarkt
- Die rechtliche Ausgangslage: Meinungsfreiheit versus Unternehmenspersönlichkeitsrecht
- Wann ist eine Kununu-Bewertung rechtswidrig?
- Der wegweisende Beschluss des OLG Hamburg vom 08.02.2024
- Das Prüfverfahren von Kununu und seine Schwächen
- Der praktische Weg zur Löschung einer Kununu-Bewertung
- Die Rolle des Datenschutzes bei der Kununu-Löschung
- Strategische Überlegungen für Arbeitgeber
- Die Bedeutung anwaltlicher Unterstützung
- Ausblick: Die Entwicklung der Rechtsprechung
- Fazit: Arbeitgeber müssen negative Bewertungen nicht hinnehmen
Die Bedeutung von Kununu im modernen Arbeitsmarkt
Im Februar 2026 ist die Arbeitgeberbewertungsplattform Kununu längst zu einem unverzichtbaren Bestandteil des deutschen Arbeitsmarktes geworden. Mit mehreren Millionen Bewertungen und einer enormen Reichweite beeinflusst das Portal maßgeblich, wie potenzielle Bewerber Unternehmen wahrnehmen. Für Arbeitgeber bedeutet dies einerseits eine Chance, ihre Unternehmenskultur transparent darzustellen und qualifizierte Fachkräfte anzuziehen. Andererseits birgt die Plattform erhebliche Risiken, wenn negative, ungerechtfertigte oder gar falsche Bewertungen das Unternehmensimage nachhaltig beschädigen.
Die Relevanz von Online-Bewertungen für Arbeitgeber kann kaum überschätzt werden. Studien zeigen, dass ein Großteil der Bewerber vor einer Bewerbung die Kununu-Bewertungen des potenziellen Arbeitgebers konsultiert. Eine schlechte Gesamtbewertung oder einzelne besonders negative Rezensionen können dazu führen, dass qualifizierte Kandidaten von einer Bewerbung absehen. In Zeiten des Fachkräftemangels ist dies ein wirtschaftlicher Faktor, den kein Unternehmen ignorieren kann.
Doch was können Arbeitgeber tun, wenn sie mit ungerechtfertigten, unwahren oder missbräuchlichen Bewertungen konfrontiert werden? Die gute Nachricht ist, dass die Rechtsprechung in den vergangenen Jahren die Position der Arbeitgeber erheblich gestärkt hat. Insbesondere der Beschluss des Oberlandesgerichts Hamburg vom 08. Februar 2024 markiert einen Wendepunkt im Umgang mit anonymen Bewertungen auf Arbeitgeberbewertungsportalen.
Die rechtliche Ausgangslage: Meinungsfreiheit versus Unternehmenspersönlichkeitsrecht
Um die Möglichkeiten und Grenzen der Kununu-Löschung zu verstehen, ist es zunächst erforderlich, die grundlegenden rechtlichen Rahmenbedingungen zu betrachten. Im Zentrum steht dabei das Spannungsverhältnis zwischen zwei fundamentalen Rechtsgütern: der Meinungsfreiheit des Bewertenden auf der einen Seite und dem Unternehmenspersönlichkeitsrecht des bewerteten Arbeitgebers auf der anderen Seite.
Die Meinungsfreiheit ist in Artikel 5 Absatz 1 des Grundgesetzes verankert und genießt als Grundrecht einen hohen Stellenwert in der deutschen Rechtsordnung. Sie schützt grundsätzlich auch negative Bewertungen und kritische Äußerungen über Arbeitgeber. Das BundesverfassungsgerichtDas Bundesverfassungsgericht (BVerfG) ist das höchste deuts... Mehr hat wiederholt betont, dass auch polemische oder überspitzte Kritik vom Schutzbereich der Meinungsfreiheit umfasst sein kann. Arbeitnehmer dürfen ihre subjektiven Eindrücke und Erfahrungen mit einem Arbeitgeber öffentlich teilen, auch wenn diese für das Unternehmen unangenehm sind.
Allerdings ist die Meinungsfreiheit nicht schrankenlos gewährleistet. Gemäß Artikel 5 Absatz 2 des Grundgesetzes findet sie ihre Grenzen in den allgemeinen Gesetzen und dem Recht der persönlichen Ehre. Für Unternehmen ist dabei insbesondere das Unternehmenspersönlichkeitsrecht von Bedeutung, das aus Artikel 2 Absatz 1 in Verbindung mit Artikel 19 Absatz 3 des Grundgesetzes abgeleitet wird. Dieses Recht schützt den sozialen Geltungsanspruch eines Unternehmens und sein Ansehen in der Öffentlichkeit.
Bei der Beurteilung, ob eine Bewertung zulässig ist oder gelöscht werden muss, nehmen die Gerichte eine Abwägung zwischen diesen beiden Rechtspositionen vor. Dabei spielen verschiedene Faktoren eine Rolle, insbesondere die Frage, ob es sich um eine MeinungsäußerungEine Meinungsäußerung ist die Verbalisierung oder schriftl... Mehr oder eine TatsachenbehauptungEine Tatsachenbehauptung ist eine Aussage, die objektiv übe... Mehr handelt, ob die Äußerung wahr oder unwahr ist und ob ein tatsächlicher Kontakt zwischen dem Bewertenden und dem Unternehmen bestanden hat.
Wann ist eine Kununu-Bewertung rechtswidrig?
Nicht jede negative Bewertung auf Kununu ist automatisch rechtswidrig und kann gelöscht werden. Die Rechtsprechung hat jedoch klare Kategorien entwickelt, in denen ein Löschungsanspruch des Arbeitgebers besteht.
Unwahre Tatsachenbehauptungen
Der wichtigste Fall, in dem eine Löschung verlangt werden kann, sind unwahre Tatsachenbehauptungen. Im Gegensatz zu Meinungsäußerungen, die subjektive Wertungen darstellen, sind Tatsachenbehauptungen dem Beweis zugänglich. Wenn ein Bewertender beispielsweise behauptet, das Gehalt werde regelmäßig nicht pünktlich gezahlt, handelt es sich um eine Tatsachenbehauptung, deren Wahrheitsgehalt überprüft werden kann. Ist diese Behauptung unwahr, hat der Arbeitgeber einen Anspruch auf Löschung.
Die Abgrenzung zwischen Tatsachenbehauptung und Meinungsäußerung ist in der Praxis nicht immer einfach. Häufig vermischen sich beide Elemente in einer Bewertung. In solchen Fällen kommt es darauf an, welches Element überwiegt. Ist die Äußerung durch Elemente der Stellungnahme, des Dafürhaltens oder Meinens geprägt, wird sie als Meinungsäußerung behandelt und genießt den Schutz der Meinungsfreiheit. Überwiegt hingegen der tatsächliche Gehalt, gelten die strengeren Maßstäbe für Tatsachenbehauptungen.
Schmähkritik und Formalbeleidigungen
Auch Meinungsäußerungen finden ihre Grenze dort, wo sie in Schmähkritik oder Formalbeleidigungen übergehen. Von Schmähkritik spricht man, wenn bei einer Äußerung nicht mehr die Auseinandersetzung in der Sache, sondern die DiffamierungIn einer Zeit, in der ein einziger Mausklick genügt, um Inf... Mehr der Person im Vordergrund steht. Die Äußerung muss darauf abzielen, den Betroffenen jenseits polemischer und überspitzter Kritik in erster Linie herabzusetzen.
In der Praxis ist die Schwelle zur Schmähkritik allerdings hoch. Selbst scharfe und überzogene Kritik ist noch nicht automatisch Schmähkritik. Es muss vielmehr ein sachlicher Bezug vollständig fehlen und die Diffamierung im Vordergrund stehen. Bezeichnungen wie „schlechter Arbeitgeber“ oder „unfaire Behandlung“ werden in der Regel noch als zulässige Meinungsäußerungen angesehen, auch wenn sie für das Unternehmen unangenehm sind.
Bewertungen ohne tatsächlichen Kontakt
Ein besonders relevanter Fall für die Praxis sind Bewertungen von Personen, die nie im Unternehmen gearbeitet oder sich dort beworben haben. Kununu ist als Plattform konzipiert, auf der aktuelle und ehemalige Mitarbeiter sowie Bewerber ihre Erfahrungen teilen können. Bewertungen von Personen ohne jeden Kontakt zum Unternehmen sind daher grundsätzlich unzulässig.
Der BundesgerichtshofDer Bundesgerichtshof (BGH) ist das höchste deutsche Gerich... Mehr hat in seiner Rechtsprechung zu Bewertungsportalen klargestellt, dass Bewertungen, denen kein tatsächlicher Kontakt zugrunde liegt, das Unternehmenspersönlichkeitsrecht rechtswidrig verletzen. Ein berechtigtes Interesse der Nutzer, eine tatsächlich nicht stattgefundene Inanspruchnahme der Leistungen eines Unternehmens zu bewerten, ist nicht ersichtlich.
Mehrfach- und Kampagnenbewertungen
Ebenfalls unzulässig sind sogenannte Mehrfach- oder Kampagnenbewertungen. Dabei handelt es sich um Fälle, in denen eine Person unter verschiedenen Identitäten mehrere Bewertungen abgibt oder in denen koordiniert mehrere Personen negative Bewertungen abgeben, um einem Unternehmen gezielt zu schaden. Solche Bewertungen stellen einen Missbrauch der Plattform dar und können gelöscht werden.
Der wegweisende Beschluss des OLG Hamburg vom 08.02.2024
Ein Meilenstein in der Rechtsprechung zu Arbeitgeberbewertungsportalen ist der Beschluss des Oberlandesgerichts Hamburg vom 08. Februar 2024 (Az. 7 W 11/24). Diese Entscheidung hat die Rechte der Arbeitgeber erheblich gestärkt und wird auch im Februar 2026 als Leitentscheidung herangezogen.
Der Sachverhalt
In dem zugrunde liegenden Fall hatte ein Unternehmen mehrere negative Bewertungen auf Kununu beanstandet. Das Unternehmen bestritt, dass die Bewertenden tatsächlich Mitarbeiter oder Bewerber gewesen seien. Kununu führte daraufhin eine interne Prüfung durch und forderte von den Bewertenden Tätigkeitsnachweise an. Diese Nachweise wurden jedoch so stark geschwärzt, dass das Unternehmen weder die Identität der Bewertenden noch die Echtheit der Dokumente überprüfen konnte.
Das Unternehmen wandte sich daraufhin an das Gericht und verlangte die Löschung der Bewertungen. Das LandgerichtEin Landgericht ist ein Gericht der ordentlichen Gerichtsbar... Mehr Hamburg wies den Antrag zunächst zurück. Das OberlandesgerichtEin Oberlandesgericht (OLG) ist ein Gericht der oberen Insta... Mehr Hamburg gab dem Unternehmen jedoch in der Beschwerdeinstanz Recht.
Die Kernaussagen der Entscheidung
Das OLG Hamburg stellte mehrere wichtige Grundsätze auf, die für die Praxis von erheblicher Bedeutung sind.
Erstens betonte das Gericht, dass eine Bewertung zu löschen ist, wenn der Arbeitgeber substantiiert bestreitet, dass ein Kontakt bestand, und Kununu keine nachvollziehbare Überprüfung ermöglicht. Eine rein interne Prüfung durch Kununu, deren Ergebnisse dem Arbeitgeber nicht offengelegt werden, reicht nicht aus, um den Löschungsanspruch abzuwehren.
Zweitens stellte das Gericht klar, dass die Anonymität des Bewertenden nicht dazu führen darf, dass der Arbeitgeber schutzlos bleibt. Wenn Kununu nicht in der Lage oder nicht bereit ist, dem Arbeitgeber eine Überprüfung der Bewertung zu ermöglichen, muss die Bewertung gelöscht werden.
Drittens wies das Gericht das Argument zurück, der Datenschutz verbiete eine Identifizierung des Bewertenden. Wer eine Bewertung abgibt, kann einer teilweisen Offenlegung seiner Identität zustimmen. Anonymität ist kein absolutes Recht und endet dort, wo sie die Rechte des Arbeitgebers unverhältnismäßig beeinträchtigt.
Die praktischen Auswirkungen
Die Entscheidung des OLG Hamburg hat in der Praxis zu einer deutlichen Verschiebung der Kräfteverhältnisse geführt. Arbeitgeber können nun mit größerer Aussicht auf Erfolg gegen zweifelhafte Bewertungen vorgehen. Kununu ist gezwungen, entweder nachvollziehbare Nachweise für die Echtheit einer Bewertung zu liefern oder die Bewertung zu löschen.
Für Arbeitgeber bedeutet dies, dass sie bei der Beanstandung von Bewertungen konkret darlegen sollten, warum sie den Kontakt anzweifeln. Je substantiierter das Bestreiten, desto größer die Erfolgsaussichten. Pauschale Behauptungen, die Bewertung sei falsch, reichen hingegen nicht aus.
Das Prüfverfahren von Kununu und seine Schwächen
Um die Möglichkeiten der Kununu-Löschung zu verstehen, ist es hilfreich, das interne Prüfverfahren der Plattform zu kennen. Kununu hat ein Meldeverfahren eingerichtet, über das Arbeitgeber Bewertungen beanstanden können. Wenn eine Bewertung gemeldet wird, fordert Kununu vom Bewertenden einen Tätigkeitsnachweis an, beispielsweise einen Arbeitsvertrag, eine Gehaltsabrechnung oder eine Bewerbungsbestätigung.
Das Problem liegt jedoch in der Art und Weise, wie diese Nachweise gehandhabt werden. Kununu schwärzt die Dokumente nahezu vollständig, bevor sie dem Arbeitgeber zur Prüfung vorgelegt werden. Der Arbeitgeber kann daher weder die Identität des Bewertenden noch die Echtheit der Dokumente überprüfen. Es ist theoretisch möglich, dass gefälschte oder fremde Dokumente eingereicht werden, ohne dass der Arbeitgeber dies erkennen kann.
Diese Praxis wurde vom OLG Hamburg kritisiert. Das Gericht stellte klar, dass eine solche rein interne Prüfung nicht ausreicht, um den Löschungsanspruch des Arbeitgebers abzuwehren. Wenn der Arbeitgeber substantiiert bestreitet, dass ein Kontakt bestand, muss Kununu entweder eine nachvollziehbare Überprüfung ermöglichen oder die Bewertung löschen.
Der praktische Weg zur Löschung einer Kununu-Bewertung
Für Arbeitgeber, die im Februar 2026 mit einer problematischen Kununu-Bewertung konfrontiert sind, gibt es verschiedene Handlungsoptionen. Der Weg zur Löschung verläuft typischerweise in mehreren Stufen.
Stufe 1: Interne Prüfung und Dokumentation
Bevor rechtliche Schritte eingeleitet werden, sollte der Arbeitgeber die beanstandete Bewertung sorgfältig analysieren. Dabei sind folgende Fragen zu klären: Handelt es sich um eine Meinungsäußerung oder eine Tatsachenbehauptung? Ist die Behauptung wahr oder unwahr? Gibt es Anhaltspunkte dafür, dass der Bewertende tatsächlich Mitarbeiter oder Bewerber war? Liegt möglicherweise Schmähkritik vor?
Es empfiehlt sich, alle relevanten Informationen zu dokumentieren. Wenn der Arbeitgeber beispielsweise nachweisen kann, dass in dem genannten Zeitraum keine Person mit den beschriebenen Merkmalen im Unternehmen tätig war, stärkt dies die Position erheblich.
Stufe 2: Meldung über das Kununu-Verfahren
Der nächste Schritt ist die Meldung der Bewertung über das interne Verfahren von Kununu. Dabei sollte der Arbeitgeber konkret darlegen, warum die Bewertung rechtswidrig ist. Je substantiierter die Begründung, desto größer die Erfolgsaussichten.
Kununu wird daraufhin den Bewertenden kontaktieren und einen Tätigkeitsnachweis anfordern. Wenn der Bewertende keinen Nachweis erbringen kann oder will, wird die Bewertung in der Regel gelöscht. Wenn ein Nachweis erbracht wird, erhält der Arbeitgeber eine geschwärzte Version zur Stellungnahme.
Stufe 3: Außergerichtliche Aufforderung
Wenn das interne Verfahren nicht zum gewünschten Ergebnis führt, kann der Arbeitgeber Kununu außergerichtlich zur Löschung auffordern. Dies geschieht typischerweise durch ein anwaltliches Schreiben, in dem die Rechtswidrigkeit der Bewertung dargelegt und unter Fristsetzung zur Löschung aufgefordert wird.
In diesem Stadium ist es besonders wichtig, die aktuelle Rechtsprechung, insbesondere den Beschluss des OLG Hamburg, zu zitieren und auf die Pflichten von Kununu als PlattformbetreiberEin kurzer Blick auf unseren Alltag zeigt, wie selbstverstä... Mehr hinzuweisen. Viele Fälle werden bereits in diesem Stadium gelöst, da Kununu das Risiko einer gerichtlichen Niederlage vermeiden möchte.
Stufe 4: Gerichtliches Vorgehen
Wenn auch die außergerichtliche Aufforderung erfolglos bleibt, kann der Arbeitgeber gerichtliche Schritte einleiten. In dringenden Fällen kommt ein Antrag auf Erlass einer einstweiligen Verfügung in Betracht. Dabei handelt es sich um ein beschleunigtes Verfahren, in dem das Gericht vorläufig über den Löschungsanspruch entscheidet.
Alternativ kann der Arbeitgeber eine reguläre Klage erheben. Dies dauert zwar länger, führt aber zu einer endgültigen Entscheidung. In beiden Fällen muss der Arbeitgeber darlegen und gegebenenfalls beweisen, dass die Bewertung rechtswidrig ist.
Die Rolle des Datenschutzes bei der Kununu-Löschung
Ein häufig diskutiertes Thema im Zusammenhang mit der Kununu-Löschung ist der Datenschutz. Kununu argumentiert regelmäßig, dass die Identität der Bewertenden aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht offengelegt werden könne. Diese Argumentation greift jedoch nach der aktuellen Rechtsprechung zu kurz.
Das OLG Hamburg hat klargestellt, dass der Datenschutz kein absolutes Hindernis für die Offenlegung der Identität darstellt. Wer eine Bewertung abgibt, muss damit rechnen, dass seine Identität im Streitfall offengelegt werden muss. Die Anonymität im Internet ist kein Freibrief für rechtswidrige Äußerungen.
Zudem hat der Arbeitgeber unter bestimmten Voraussetzungen einen Auskunftsanspruch gegen Kununu. Nach § 14 des Telemediengesetzes (TMG) in Verbindung mit dem Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG) kann der Arbeitgeber bei Vorliegen einer Rechtsverletzung die Herausgabe von Bestandsdaten verlangen. Dieser Anspruch setzt allerdings voraus, dass die Bewertung einen Straftatbestand erfüllt, beispielsweise Verleumdung oder üble NachredeDie digitale Welt hat die Art, wie wir kommunizieren, grundl... Mehr.
Strategische Überlegungen für Arbeitgeber
Nicht jede negative Bewertung sollte juristisch angegriffen werden. Ein übermäßig aggressives Vorgehen gegen Kritik kann kontraproduktiv sein und den Eindruck erwecken, das Unternehmen habe etwas zu verbergen. Arbeitgeber sollten daher strategisch vorgehen und abwägen, welche Bewertungen tatsächlich eine Reaktion erfordern.
Grundsätzlich empfiehlt es sich, gegen Bewertungen vorzugehen, die unwahre Tatsachenbehauptungen enthalten, die offensichtlich von Personen ohne Kontakt zum Unternehmen stammen, die Schmähkritik oder Beleidigungen enthalten oder die das Unternehmen in erheblichem Maße schädigen.
Bei Bewertungen, die zwar negativ, aber sachlich und von der Meinungsfreiheit gedeckt sind, ist ein juristisches Vorgehen in der Regel nicht erfolgversprechend. In solchen Fällen kann es sinnvoller sein, auf die Bewertung zu antworten und die eigene Sichtweise darzustellen. Kununu bietet Arbeitgebern die Möglichkeit, auf Bewertungen zu reagieren. Eine sachliche und konstruktive Antwort kann den negativen Eindruck einer Bewertung abmildern.
Die Bedeutung anwaltlicher Unterstützung
Die Durchsetzung von Löschungsansprüchen gegen Kununu erfordert fundierte rechtliche Kenntnisse und Erfahrung im Umgang mit der Plattform. Ein spezialisierter Rechtsanwalt kann die Erfolgsaussichten realistisch einschätzen, die Beanstandung rechtlich fundiert begründen, die aktuelle Rechtsprechung einbringen und nötigenfalls gerichtliche Schritte einleiten.
Die Erfolgsquote bei der Durchsetzung von Löschungsansprüchen ist mit anwaltlicher Unterstützung deutlich höher als bei einem Vorgehen in Eigenregie. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass Kununu anwaltliche Schreiben in der Regel ernster nimmt als Beschwerden von Unternehmen selbst.
Ausblick: Die Entwicklung der Rechtsprechung
Die Rechtsprechung zu Arbeitgeberbewertungsportalen entwickelt sich kontinuierlich weiter. Der Beschluss des OLG Hamburg aus dem Jahr 2024 hat zwar wichtige Grundsätze aufgestellt, aber noch nicht alle Fragen abschließend geklärt. Es ist zu erwarten, dass in den kommenden Jahren weitere Entscheidungen ergehen werden, die die Rechte und Pflichten von Arbeitgebern, Bewertenden und Plattformbetreibern weiter konkretisieren.
Ein wichtiger Aspekt, der in Zukunft an Bedeutung gewinnen könnte, ist die Frage der Verifizierung von Bewertungen. Einige Plattformen experimentieren bereits mit Verfahren, bei denen Bewertende ihre Identität oder ihren Kontakt zum Unternehmen nachweisen müssen, bevor eine Bewertung veröffentlicht wird. Solche Verfahren könnten das Problem der Fake-Bewertungen erheblich reduzieren.
Auch die europäische Gesetzgebung könnte Auswirkungen auf die Kununu-Löschung haben. Der Digital Services ActDie digitale Landschaft Europas durchläuft derzeit eine der... Mehr (DSAWenn eine negative Bewertung plötzlich hohe Sichtbarkeit er... Mehr) der Europäischen Union enthält neue Regelungen für Online-Plattformen, die auch Bewertungsportale betreffen. Diese Regelungen könnten die Pflichten von Kununu im Umgang mit rechtswidrigen Inhalten verschärfen.
Fazit: Arbeitgeber müssen negative Bewertungen nicht hinnehmen
Im Februar 2026 haben Arbeitgeber wirksame rechtliche Instrumente zur Verfügung, um gegen rechtswidrige Kununu-Bewertungen vorzugehen. Die Rechtsprechung, insbesondere der wegweisende Beschluss des OLG Hamburg, hat die Position der Arbeitgeber erheblich gestärkt. Bewertungen, die unwahre Tatsachenbehauptungen enthalten, von Personen ohne Kontakt zum Unternehmen stammen oder Schmähkritik darstellen, können gelöscht werden.
Der Schlüssel zum Erfolg liegt in einem schnellen und konsequenten Handeln. Arbeitgeber sollten problematische Bewertungen zeitnah identifizieren, sorgfältig dokumentieren und über das interne Verfahren von Kununu beanstanden. Wenn dies nicht zum Erfolg führt, können außergerichtliche und gerichtliche Schritte eingeleitet werden.
Die Unterstützung durch einen spezialisierten Rechtsanwalt erhöht die Erfolgsaussichten erheblich. Ein erfahrener Anwalt kann die Rechtslage einschätzen, die Beanstandung fundiert begründen und nötigenfalls vor Gericht vertreten.
Letztlich geht es bei der Kununu-Löschung nicht darum, berechtigte Kritik zu unterdrücken. Die Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut, das auch negative Bewertungen schützt. Es geht vielmehr darum, Arbeitgeber vor rechtswidrigen Angriffen auf ihr Ansehen zu schützen. Bewertungen sollten echt und überprüfbar sein. Wo dies nicht der Fall ist, haben Arbeitgeber das Recht, sich zu wehren.
Dieser Blogbeitrag wurde am 13. Februar 2026 veröffentlicht und gibt den aktuellen Stand der Rechtsprechung wieder. Die Rechtslage kann sich ändern. Für eine individuelle Beratung wenden Sie sich bitte an einen spezialisierten Rechtsanwalt.