📋 Zusammenfassung des Beitrags
⚠️ Das Phänomen: Ehemalige Mitarbeiter nutzen Kununukununu ist eine Online-Plattform, die es Arbeitnehmern und B... Mehr, um nach einer Kündigung oder einem Konflikt anonym negative – und oft unwahre – BewertungenBewertungen sind Rückmeldungen oder Beurteilungen von Produ... Mehr über ihren früheren Arbeitgeber zu veröffentlichen.
🔍 Die Auswirkungen: Bereits eine einzige ungerechtfertigte BewertungIn einer Welt, in der sich Verbraucher binnen Sekunden über... Mehr kann das Employer Branding nachhaltig beschädigen, Bewerber abschrecken und den Fachkräftemangel im eigenen Unternehmen verschärfen.
⚖️ Die Rechtslage: Nicht jede negative Bewertung ist rechtswidrig – doch unwahre Tatsachenbehauptungen, SchmähkritikIn den unendlichen Weiten des Internets, wo jeder Nutzer zum... Mehr und Bewertungen ohne echten Erfahrungshintergrund überschreiten die Grenzen der MeinungsfreiheitIn einer Zeit, in der jeder Internetnutzer mit wenigen Klick... Mehr.
🏛️ Wichtige Rechtsprechung: Das OLG Hamburg hat 2024 entschieden, dass Kununu bei berechtigten Zweifeln an der Echtheit einer Bewertung entweder die Identität des Verfassers offenlegen oder die Bewertung löschen muss.
🛡️ Ihre Handlungsoptionen: Von der Meldung bei Kununu über die anwaltliche Abmahnung bis zur gerichtlichen Durchsetzung – Arbeitgeber haben wirksame Instrumente, um sich gegen ungerechtfertigte Bewertungen zu wehren.
📞 Fazit: Mit der richtigen Strategie und kompetenter rechtlicher Unterstützung lassen sich rechtswidrige Kununu-Bewertungen effektiv entfernen und der gute Ruf als Arbeitgeber wiederherstellen.
Das Wichtigste in kürze: Ex-Mitarbeiter treten nach?
- Ehemalige Mitarbeiter nutzen Kununu, um anonym negative Bewertungen abzugeben, die oft unwahr sind.
- Negative Bewertungen können das Employer Branding schädigen und Bewerber abschrecken.
- Die Rechtslage erlaubt nicht jede negative Bewertung; unwahre Tatsachenbehauptungen können rechtlich angreifbar sein.
- Das OLG Hamburg entschied, dass Kununu bei Zweifeln an der Echtheit einer Bewertung die Identität des Verfassers offenlegen oder die Bewertung löschen muss.
- Unternehmen sollten proaktive Maßnahmen ergreifen, um sich vor ungerechtfertigten Bewertungen zu schützen und eine Strategie zur Löschung zu entwickeln.
Inhaltsverzeichnis
- 📋 Zusammenfassung des Beitrags
- Wenn die Vergangenheit zuschlägt: Das Phänomen der nachträglichen Kununu-Bewertung
- Warum Ex-Mitarbeiter auf Kununu „nachtreten“
- Die konkreten Auswirkungen auf Ihr Unternehmen
- Die rechtliche Ausgangslage: Nicht jede negative Bewertung ist rechtswidrig
- Das wegweisende Urteil des OLG Hamburg: Ein Meilenstein für Arbeitgeber
- Der Weg zur Löschung: Schritt für Schritt vorgehen
- Besondere Fallkonstellationen: Wenn Ex-Mitarbeiter systematisch nachtreten
- Prävention: So schützen Sie sich proaktiv vor ungerechtfertigten Bewertungen
- Die Rolle der Meinungsfreiheit: Grenzen und Schranken
- Der strategische Umgang mit der öffentlichen Arbeitgeberreaktion
- Was kostet die Löschung einer Kununu-Bewertung?
- Aktuelle Entwicklungen und Ausblick
- Fazit: Sie müssen ungerechtfertigte Bewertungen nicht hinnehmen
Wenn die Vergangenheit zuschlägt: Das Phänomen der nachträglichen Kununu-Bewertung
Die Situation ist vielen Arbeitgebern schmerzlich vertraut. Ein Mitarbeiter verlässt das Unternehmen – ob durch Eigenkündigung, betriebsbedingte Kündigung oder nach einem Aufhebungsvertrag. Wochen, manchmal Monate später erscheint auf Kununu eine Bewertung, die es in sich hat. Ein Stern, vernichtende Worte, pauschale Vorwürfe gegen die Geschäftsführung und ein Gesamtbild, das mit der Realität im Unternehmen wenig gemein hat. Was hier passiert, ist ein Phänomen, das ich in meiner über 25-jährigen Berufspraxis als Fachanwalt für IT-Recht immer häufiger beobachte: Ex-Mitarbeiter treten nach – und Kununu bietet ihnen dafür die perfekte Bühne.
Das Arbeitgeber-Bewertungsportal Kununu hat sich in den vergangenen Jahren zu einem der einflussreichsten Instrumente im deutschen Recruiting-Markt entwickelt. Millionen von Arbeitnehmern, Bewerbern und Berufseinsteigern informieren sich hier über potenzielle Arbeitgeber. Die Plattform lebt von dem Versprechen, authentische Einblicke in die Arbeitswelt von Unternehmen zu gewähren. Dieses Versprechen ist grundsätzlich begrüßenswert – Transparenz auf dem Arbeitsmarkt nützt allen Beteiligten. Doch die Kehrseite der Medaille zeigt sich dann, wenn ehemalige Mitarbeiter die Anonymität der Plattform ausnutzen, um persönliche Rachegelüste zu befriedigen, unwahre Behauptungen aufzustellen oder ein verzerrtes Bild des Unternehmens zu zeichnen.
Für betroffene Unternehmen ist das nicht nur ärgerlich, sondern potenziell existenzbedrohend. In Zeiten des Fachkräftemangels entscheiden Kununu-Bewertungen nicht selten darüber, ob sich qualifizierte Bewerber überhaupt auf eine Stelle bewerben oder ob sie das Unternehmen schon vor dem ersten Kontakt von ihrer Liste streichen. Eine Studie der Personalwirtschaft aus dem Jahr 2024 zeigt, dass bei zwei Dritteln der untersuchten Unternehmen nach negativen Bewertungswellen erhebliche Einbrüche bei der Bewerberquote zu verzeichnen waren – und dass sich die Employer Brand nur langsam wieder erholte.
Warum Ex-Mitarbeiter auf Kununu „nachtreten“
Um das Phänomen zu verstehen und effektiv dagegen vorzugehen, lohnt ein Blick auf die Motivlagen, die hinter solchen Bewertungen stehen. In meiner täglichen Beratungspraxis begegnen mir dabei immer wieder ähnliche Muster.
Der häufigste Auslöser ist Frustration nach einer als ungerecht empfundenen Kündigung oder nach einem eskalierenden Konflikt im Arbeitsverhältnis. Der ehemalige Mitarbeiter fühlt sich ungerecht behandelt, hat vielleicht das Gefühl, nicht ausreichend gehört worden zu sein, und sucht nun einen Kanal, um seinem Unmut Luft zu machen. Kununu bietet hier den scheinbar idealen Rahmen: Die Bewertung ist anonym, erreicht ein großes Publikum und trifft den ehemaligen Arbeitgeber dort, wo es wehtut – bei der Außenwirkung als Arbeitgebermarke.
Eine weitere Motivation liegt in dem Wunsch, andere potenzielle Arbeitnehmer zu „warnen“. Was auf den ersten Blick nach einem berechtigten Anliegen klingt, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung häufig als stark subjektiv gefärbte Darstellung, die wesentliche Aspekte ausblendet oder Erlebnisse so verzerrt, dass ein völlig falsches Bild entsteht. Die Grenze zwischen einer kritischen, aber zulässigen MeinungsäußerungEine Meinungsäußerung ist die Verbalisierung oder schriftl... Mehr und einer rechtswidrigen TatsachenbehauptungEine Tatsachenbehauptung ist eine Aussage, die objektiv übe... Mehr wird hier oft überschritten – manchmal bewusst, manchmal aus Unkenntnis der rechtlichen Grenzen.
Besonders problematisch sind Fälle, in denen ehemalige Mitarbeiter gezielt und systematisch vorgehen. Sie verfassen nicht nur eine einzelne Bewertung, sondern erstellen mehrere Accounts, bewerten das Unternehmen wiederholt oder koordinieren sich sogar mit anderen ehemaligen Kollegen, um eine regelrechte Bewertungskampagne zu starten. Solche koordinierten Aktionen sind nicht nur ethisch fragwürdig, sondern verstoßen auch gegen die Nutzungsbedingungen von Kununu und sind in vielen Fällen rechtlich angreifbar.
Schließlich gibt es auch Situationen, in denen Bewertungen gar nicht von tatsächlichen Ex-Mitarbeitern stammen. Konkurrenten, unzufriedene Geschäftspartner oder andere Personen ohne echten Erfahrungshintergrund als Arbeitnehmer nutzen die geringe Verifizierung auf Kununu, um einem Unternehmen gezielt zu schaden. Solche Fake-Bewertungen stellen einen besonders schwerwiegenden Eingriff in die Rechte des Unternehmens dar.+
Die konkreten Auswirkungen auf Ihr Unternehmen
Die Folgen negativer Kununu-Bewertungen durch Ex-Mitarbeiter reichen weit über den unmittelbaren Ärger hinaus. Sie wirken sich auf nahezu alle Bereiche des Unternehmens aus, die mit Personalgewinnung und Außenwirkung zu tun haben.
Zunächst leidet das Employer Branding ganz unmittelbar. Kununu-Profile ranken bei GoogleGoogle LLC ist ein US-amerikanisches Technologieunternehmen,... Mehr häufig auf den vorderen Plätzen, wenn Bewerber nach „Firmenname + Bewertung“ oder „Firmenname + Arbeitgeber“ suchen. Eine negative Bewertung mit drastischen Formulierungen wird dadurch für jeden sichtbar, der sich über das Unternehmen informieren möchte. Der erste Eindruck ist geprägt von Negativität – und bekanntlich gibt es keine zweite Chance für einen ersten Eindruck.
Darüber hinaus wirken sich schlechte Kununu-Bewertungen auf die bestehende Belegschaft aus. Aktuelle Mitarbeiter lesen diese Bewertungen natürlich ebenfalls und können verunsichert werden. Steht dort beispielsweise, die Geschäftsführung sei unzuverlässig oder Überstunden würden nicht vergütet, obwohl dies nicht der Realität entspricht, entsteht dennoch ein Keim des Zweifels. Das Betriebsklima kann darunter leiden, die Bindung der Mitarbeiter an das Unternehmen wird geschwächt.
Nicht zu unterschätzen sind auch die wirtschaftlichen Folgen. Unternehmen mit durchgängig schlechten Bewertungen berichten von deutlich längeren Besetzungszeiten für offene Stellen, höheren Recruiting-Kosten und einer geringeren Qualität der eingehenden Bewerbungen. In Branchen, in denen der Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte besonders intensiv ist, kann eine schlechte Kununu-Bewertung den Unterschied zwischen der erfolgreichen Stellenbesetzung und einer monatelangen Vakanz ausmachen.
Die rechtliche Ausgangslage: Nicht jede negative Bewertung ist rechtswidrig
An dieser Stelle ist es mir wichtig, einen zentralen Punkt klarzustellen: Nicht jede negative Kununu-Bewertung ist automatisch rechtswidrig und muss gelöscht werden. Die Meinungsfreiheit, geschützt durch Art. 5 Abs. 1 des Grundgesetzes, umfasst auch kritische, polemische und zugespitzte Äußerungen über Arbeitgeber. Ein ehemaliger Mitarbeiter darf seine Erfahrungen im Unternehmen grundsätzlich schildern und auch Kritik üben – selbst wenn diese für das Unternehmen unangenehm ist.
Entscheidend für die rechtliche Bewertung ist die Unterscheidung zwischen Tatsachenbehauptungen und Meinungsäußerungen. Eine Meinungsäußerung – also eine subjektive Einschätzung wie „Ich habe mich im Unternehmen nicht wohlgefühlt“ oder „Die Arbeitsatmosphäre war aus meiner Sicht verbesserungswürdig“ – ist grundsätzlich von der Meinungsfreiheit gedeckt und muss vom Arbeitgeber hingenommen werden. Eine Tatsachenbehauptung hingegen – also eine dem Beweis zugängliche Aussage wie „Das Gehalt wurde regelmäßig zu spät gezahlt“ oder „Es gibt keine Gleichberechtigung in der Beförderungspraxis“ – muss wahr sein. Ist sie nachweislich unwahr, überwiegt das PersönlichkeitsrechtEin guter Ruf ist schnell gefährdet – oft durch ein paar ... Mehr des Unternehmens gegenüber der Meinungsfreiheit des Bewertenden.
Darüber hinaus gibt es die Kategorie der sogenannten Schmähkritik. Hierbei steht nicht mehr die sachliche Auseinandersetzung mit dem Arbeitgeber im Vordergrund, sondern die reine Herabwürdigung und DiffamierungIn einer Zeit, in der ein einziger Mausklick genügt, um Inf... Mehr. Formulierungen wie „Der Laden ist der letzte Dreck“ oder persönliche Beleidigungen gegen namentlich genannte Führungskräfte können als Schmähkritik eingestuft werden und sind nicht von der Meinungsfreiheit geschützt.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Frage, ob der Verfasser der Bewertung überhaupt einen echten Erfahrungshintergrund als Mitarbeiter, ehemaliger Mitarbeiter oder Bewerber des Unternehmens hat. Kununu setzt voraus, dass Bewertungen auf einer realen Erfahrung basieren. Kann der Arbeitgeber substantiiert darlegen, dass eine Bewertung nicht von einem tatsächlichen (Ex-)Mitarbeiter stammt, ist dies ein starkes Argument für die Löschung.
Das wegweisende Urteil des OLG Hamburg: Ein Meilenstein für Arbeitgeber
Eine der bedeutsamsten Entwicklungen der jüngeren Rechtsprechung zum Thema Kununu-Bewertungen ist der Beschluss des Oberlandesgerichts Hamburg vom 8. Februar 2024 (Az. 7 W 11/24). Diese Entscheidung hat die Rechte von Arbeitgebern gegenüber der BewertungsplattformBewertungsplattformen sind Online-Websites oder Anwendungen,... Mehr erheblich gestärkt und das bisherige Kräftegleichgewicht deutlich verschoben.
Im konkreten Fall hatte ein Arbeitgeber mehrere anonyme Bewertungen auf Kununu beanstandet und berechtigte Zweifel daran geäußert, dass die Bewertungen von tatsächlichen Mitarbeitern oder Bewerbern stammten. Kununu berief sich – wie in solchen Fällen üblich – auf den Schutz der Anonymität seiner Nutzer und weigerte sich, die Identität der Verfasser offenzulegen. Der Arbeitgeber zog daraufhin vor Gericht.
Das OLG Hamburg stellte in seinem Beschluss klar, dass Kununu als PlattformbetreiberEin kurzer Blick auf unseren Alltag zeigt, wie selbstverstä... Mehr eine besondere Prüfpflicht hat, wenn ein Arbeitgeber substantiierte Zweifel an der Echtheit einer Bewertung vorbringt. Konkret muss Kununu in einem solchen Fall entweder die Identität des Bewertenden offenlegen, damit der Arbeitgeber die Berechtigung der Bewertung überprüfen kann, oder die beanstandete Bewertung löschen. Ein einfacher Verweis auf die Anonymität der Nutzer genügt nach Auffassung des Gerichts nicht, um die Prüfpflichten zu erfüllen.
Diese Entscheidung ist für die Praxis von enormer Bedeutung. Sie zeigt, dass Arbeitgeber nicht machtlos sind, wenn sie mit anonymen Negativbewertungen konfrontiert werden. Sie schafft einen wirksamen Hebel, um entweder die Identität des Verfassers zu erfahren – was in vielen Fällen bereits dazu führt, dass sich die Vorwürfe entkräften lassen – oder die Bewertung direkt entfernen zu lassen.
Allerdings ist die Rechtslage auch nach diesem Beschluss nicht völlig einheitlich. Kununu hat sich öffentlich gegen die Entscheidung des OLG Hamburg positioniert und verweist auf die langjährige Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (BGH), der die anonyme Bewertung auf Portalen grundsätzlich für zulässig erachtet. Die Diskussion darüber, wie weit die Prüfpflichten von Bewertungsplattformen reichen, ist noch nicht abschließend geklärt. Umso wichtiger ist es für betroffene Arbeitgeber, sich frühzeitig kompetente rechtliche Unterstützung zu sichern, um die individuellen Erfolgsaussichten realistisch einzuschätzen.
Der Weg zur Löschung: Schritt für Schritt vorgehen
Wenn Sie als Arbeitgeber mit einer ungerechtfertigten Kununu-Bewertung eines Ex-Mitarbeiters konfrontiert sind, empfehle ich ein strukturiertes und strategisches Vorgehen. Überstürzte Reaktionen oder emotionale Kommentare unter der Bewertung sind in aller Regel kontraproduktiv und können die Situation sogar verschlimmern.
Der erste Schritt ist immer die sorgfältige Analyse der Bewertung. Lesen Sie die Bewertung genau und identifizieren Sie die konkreten Aussagen, die aus Ihrer Sicht rechtswidrig sind. Handelt es sich um unwahre Tatsachenbehauptungen? Enthält die Bewertung Schmähkritik oder Beleidigungen? Gibt es Anhaltspunkte dafür, dass die Bewertung gar nicht von einem echten Ex-Mitarbeiter stammt? Dokumentieren Sie alles – idealerweise durch Screenshots mit Datum und Uhrzeit. Diese Dokumentation ist die Grundlage für alle weiteren Schritte.
Im zweiten Schritt sollten Sie prüfen, ob Sie den Verfasser identifizieren können. Auch wenn Kununu-Bewertungen grundsätzlich anonym sind, lassen sich anhand des Zeitpunkts der Bewertung, der geschilderten Details und der Bewertungskategorien häufig Rückschlüsse auf den Verfasser ziehen. In kleinen Unternehmen mit wenigen Personalwechseln kann die Zuordnung relativ eindeutig sein. Diese Information ist wertvoll, um gezielt gegen unwahre Behauptungen vorgehen zu können.
Der dritte Schritt besteht in der Meldung der Bewertung an Kununu. Unterhalb jeder Bewertung auf Kununu befindet sich eine Meldefunktion. Hier können Sie als Arbeitgeber die Bewertung beanstanden und die Gründe dafür darlegen. Wichtig ist dabei, möglichst konkret zu werden. Eine pauschale Aussage wie „Die Bewertung ist falsch“ wird in der Regel nicht ausreichen. Benennen Sie stattdessen die spezifischen Passagen, die Sie für rechtswidrig halten, und erläutern Sie, warum diese unwahr sind oder warum Sie berechtigte Zweifel daran haben, dass die Bewertung von einem tatsächlichen Mitarbeiter stammt.
Allerdings muss an dieser Stelle gesagt werden, dass der Meldeweg über Kununu in der Praxis häufig unbefriedigend verläuft. Viele Arbeitgeber berichten, dass ihre Meldungen abgelehnt werden oder die Bearbeitungszeit unangemessen lang ist. Kununu schützt seine Nutzer in der Regel und sieht die Verantwortung für die Inhalte primär beim Verfasser. Gerade deshalb ist es in vielen Fällen ratsam, bereits in einem frühen Stadium anwaltliche Unterstützung hinzuzuziehen.
Der vierte Schritt ist die anwaltliche Abmahnung gegenüber Kununu. Mit einer formalen rechtlichen Abmahnung durch einen auf IT-Recht spezialisierten Rechtsanwalt signalisieren Sie Kununu, dass Sie es ernst meinen und bereit sind, Ihre Rechte durchzusetzen. In der Abmahnung werden die rechtswidrigen Inhalte konkret benannt, die Rechtslage dargelegt und Kununu zur Löschung innerhalb einer angemessenen Frist aufgefordert. Aus meiner Erfahrung führt die anwaltliche Abmahnung in einem erheblichen Teil der Fälle bereits zum Erfolg – Kununu nimmt solche Schreiben deutlich ernster als Eigenmeldungen von Unternehmen.
Sollte auch die Abmahnung erfolglos bleiben, steht als fünfter Schritt der gerichtliche Weg offen. Im Wege einer einstweiligen Verfügung oder eines regulären Klageverfahrens kann die Löschung der Bewertung gerichtlich erzwungen werden. Die Erfolgsaussichten hängen dabei maßgeblich von der Qualität der Dokumentation und der rechtlichen Argumentation ab. Gerade die Entscheidung des OLG Hamburg hat die Position der Arbeitgeber in solchen Verfahren erheblich gestärkt.
Besondere Fallkonstellationen: Wenn Ex-Mitarbeiter systematisch nachtreten
In meiner Beratungspraxis begegnen mir immer wieder besonders herausfordernde Fallkonstellationen, die über eine einzelne negative Bewertung hinausgehen. Einige davon möchte ich hier ausführlicher beleuchten.
Eine häufige Konstellation ist die des „Serienbewertens“. Der Ex-Mitarbeiter gibt sich nicht mit einer einzigen Bewertung zufrieden, sondern erstellt über mehrere Wochen oder Monate hinweg immer wieder neue Bewertungen unter verschiedenen Pseudonymen. Jede einzelne Bewertung mag für sich genommen gerade noch an der Grenze der Zulässigkeit liegen, in der Summe ergibt sich jedoch ein verzerrtes Gesamtbild, das dem Unternehmen massiv schadet. In solchen Fällen kann neben der Löschung der einzelnen Bewertungen auch ein Unterlassungsanspruch gegen den identifizierten Verfasser durchgesetzt werden.
Eine weitere problematische Situation entsteht, wenn die Bewertung zwar keine offensichtlich unwahren Tatsachenbehauptungen enthält, aber durch geschickte Formulierungen ein völlig falsches Bild zeichnet. Halbwahrheiten, aus dem Kontext gerissene Einzelerlebnisse und suggestive Formulierungen können in der Gesamtschau einen deutlich schädigenden Effekt haben, ohne dass eine einzelne Aussage für sich genommen leicht angreifbar wäre. Hier ist eine besonders sorgfältige rechtliche Analyse erforderlich, um die richtigen Ansatzpunkte für eine erfolgreiche Löschung zu identifizieren.
Besonders brisant wird es, wenn ehemalige Mitarbeiter in ihrer Bewertung vertrauliche Unternehmensinformationen preisgeben. Interne Prozesse, Gehaltsstrukturen, strategische Entscheidungen oder persönliche Informationen über Kollegen und Vorgesetzte – all dies kann in einer Kununu-Bewertung auftauchen und stellt neben der reputationsschädigenden Wirkung unter Umständen auch einen Verstoß gegen nachvertragliche Verschwiegenheitspflichten oder datenschutzrechtliche Bestimmungen dar. In solchen Fällen ergeben sich zusätzliche rechtliche Anspruchsgrundlagen, die die Position des Arbeitgebers weiter stärken.
Schließlich gibt es Fälle, in denen die negative Kununu-Bewertung nur ein Teil einer umfassenderen Kampagne gegen das Unternehmen ist. Der Ex-Mitarbeiter verbreitet seine negativen Darstellungen nicht nur auf Kununu, sondern auch auf Google, in sozialen Netzwerken oder in anderen Foren. Hier ist ein ganzheitlicher Ansatz im ReputationsmanagementDer erste Eindruck entscheidet oft über Erfolg oder Misserf... Mehr erforderlich, der alle betroffenen Kanäle einbezieht und eine kohärente Strategie verfolgt.
Prävention: So schützen Sie sich proaktiv vor ungerechtfertigten Bewertungen
Neben der reaktiven Bekämpfung rechtswidriger Bewertungen ist es ebenso wichtig, proaktive Maßnahmen zu ergreifen, die das Risiko ungerechtfertigter Negativbewertungen von vornherein reduzieren. Prävention ist in diesem Bereich mindestens ebenso wertvoll wie Intervention.
Ein zentraler Aspekt ist die professionelle Gestaltung des Offboarding-Prozesses. Die Art und Weise, wie sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer voneinander trennen, hat einen erheblichen Einfluss darauf, ob der ehemalige Mitarbeiter anschließend das Bedürfnis verspürt, seinem Unmut auf Kununu Luft zu machen. Ein respektvoller, wertschätzender Trennungsprozess – auch und gerade bei betriebsbedingten Kündigungen – kann das Risiko einer Rachebewertung deutlich senken. Das bedeutet nicht, dass Arbeitgeber auf berechtigte Kündigungen verzichten sollen, sondern dass die Art der Kommunikation und Durchführung entscheidend ist.
Ebenso wichtig ist ein aktives Bewertungsmanagement auf Kununu. Unternehmen, die ihr Kununu-Profil pflegen, auf Bewertungen professionell reagieren und zufriedene Mitarbeiter dazu ermutigen, ihre positiven Erfahrungen zu teilen, bauen sich einen Puffer auf, der einzelne negative Bewertungen in ihrer Wirkung relativiert. Ein Unternehmen mit 50 überwiegend positiven Bewertungen wird durch eine einzelne negative Bewertung deutlich weniger geschädigt als ein Unternehmen, dessen Profil nur drei Bewertungen aufweist, von denen eine vernichtend ist.
Ein weiterer präventiver Ansatz liegt in der arbeitsvertraglichen Gestaltung. Nachvertragliche Verschwiegenheitspflichten und Social-Media-Klauseln können zwar nicht jede negative Bewertung verhindern, schaffen aber eine zusätzliche rechtliche Grundlage, auf die sich der Arbeitgeber im Streitfall berufen kann. Diese Klauseln sollten jedoch sorgfältig formuliert werden, um nicht an den Grenzen der Meinungsfreiheit und des Arbeitnehmerschutzes zu scheitern. Hier ist eine individuelle rechtliche Beratung unerlässlich.
Darüber hinaus empfehle ich Arbeitgebern, ein systematisches Monitoring ihrer Online-Reputation einzurichten. Wer frühzeitig von einer negativen Bewertung erfährt, kann schneller reagieren und verhindern, dass sich der Schaden ausbreitet. Es gibt heute verschiedene Tools und Dienstleister, die Unternehmen dabei unterstützen, ihre Präsenz auf Bewertungsportalen im Blick zu behalten.
Die Rolle der Meinungsfreiheit: Grenzen und Schranken
Die Auseinandersetzung um Kununu-Bewertungen bewegt sich stets im Spannungsfeld zwischen der Meinungsfreiheit des Bewertenden und dem Persönlichkeitsrecht beziehungsweise dem Recht am eingerichteten und ausgeübten Gewerbebetrieb des bewerteten Unternehmens. Dieses Spannungsfeld ist auch der Grund dafür, dass pauschale Aussagen wie „Jede negative Bewertung muss gelöscht werden“ oder „Man kann gegen Bewertungen nichts machen“ gleichermaßen falsch sind.
Die Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut unserer Verfassungsordnung und schützt grundsätzlich auch kritische, polemische und überspitzte Äußerungen. Ein ehemaliger Mitarbeiter darf sagen, dass er mit dem Führungsstil nicht einverstanden war, dass die Work-Life-Balance aus seiner Sicht nicht stimmte oder dass er die Karrieremöglichkeiten als begrenzt empfunden hat. Solche Bewertungen mögen für das Unternehmen unangenehm sein, sie sind aber in der Regel von der Meinungsfreiheit gedeckt und müssen hingenommen werden.
Die Meinungsfreiheit findet ihre Grenzen jedoch dort, wo sie in die Rechte Dritter eingreift. Unwahre Tatsachenbehauptungen sind von der Meinungsfreiheit nicht geschützt. Wer behauptet, das Unternehmen zahle regelmäßig Gehälter zu spät, obwohl dies nachweislich nicht der Fall ist, überschreitet diese Grenze. Ebenso wenig geschützt ist die Schmähkritik, bei der es dem Verfasser nicht mehr um eine sachliche Auseinandersetzung geht, sondern allein um die Herabsetzung und Diffamierung des Unternehmens oder einzelner Personen.
In der Praxis liegt die Herausforderung oft in der Abgrenzung. Ist die Aussage „Das Management hat keine Ahnung“ eine zulässige Meinungsäußerung oder bereits eine herabsetzende Schmähkritik? Ist die Behauptung „Überstunden sind an der Tagesordnung“ eine Tatsachenbehauptung, die bewiesen werden muss, oder eine subjektive Wahrnehmung? Genau diese Fragen sind es, die eine kompetente rechtliche Bewertung im Einzelfall unverzichtbar machen.
Der strategische Umgang mit der öffentlichen Arbeitgeberreaktion
Ein Aspekt, der in der Diskussion um Kununu-Bewertungen häufig unterschätzt wird, ist die Möglichkeit der öffentlichen Arbeitgeberreaktion. Kununu bietet Arbeitgebern die Option, auf Bewertungen öffentlich zu antworten. Diese Möglichkeit sollte strategisch genutzt werden – kann aber auch nach hinten losgehen, wenn sie unbedacht eingesetzt wird.
Eine professionelle Arbeitgeberreaktion kann verschiedene Zwecke erfüllen. Sie zeigt potenziellen Bewerbern, die die Bewertung lesen, dass das Unternehmen Kritik ernst nimmt und sich damit auseinandersetzt. Sie kann sachliche Richtigstellungen enthalten, die das Bild der Bewertung relativieren. Und sie kann signalisieren, dass das Unternehmen ein offenes Ohr für Feedback
In einer Welt, in der digitale Bewertungen über Erfolg ... Mehr hat und an Verbesserungen arbeitet.
Gleichzeitig birgt die öffentliche Reaktion Risiken. Eine emotionale, angriffslustige oder herablassende Antwort kann mehr Schaden anrichten als die ursprüngliche Bewertung. Sie bestätigt im schlimmsten Fall die Vorwürfe des Bewertenden und hinterlässt bei Lesern den Eindruck, dass das Unternehmen nicht professionell mit Kritik umgehen kann. Ebenso problematisch ist es, wenn die Reaktion Rückschlüsse auf die Identität des Bewertenden zulässt oder vertrauliche Informationen aus dem Arbeitsverhältnis preisgibt – dies kann sogar zu arbeitsrechtlichen und datenschutzrechtlichen Konsequenzen für den Arbeitgeber führen.
Meine Empfehlung lautet daher: Wenn Sie sich für eine öffentliche Reaktion entscheiden, formulieren Sie diese sachlich, professionell und lösungsorientiert. Vermeiden Sie es, in eine öffentliche Auseinandersetzung mit dem Bewertenden einzutreten. Bieten Sie stattdessen das persönliche Gespräch an, stellen Sie offensichtliche Unrichtigkeiten sachlich richtig und zeigen Sie, dass Ihnen die Zufriedenheit Ihrer Mitarbeiter am Herzen liegt. Parallel dazu können und sollten Sie die rechtlichen Schritte zur Löschung der Bewertung einleiten, sofern diese rechtswidrig ist.
Was kostet die Löschung einer Kununu-Bewertung?
Eine Frage, die mir in Erstberatungen häufig gestellt wird, betrifft die Kosten der Löschung einer rechtswidrigen Kununu-Bewertung. Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten, da die Kosten von verschiedenen Faktoren abhängen: der Komplexität des Einzelfalls, dem gewählten Vorgehen und der Reaktion von Kununu beziehungsweise des Bewertenden.
In vielen Fällen gelingt die Löschung bereits im außergerichtlichen Bereich – durch eine fundierte anwaltliche Abmahnung an Kununu, die die Rechtswidrigkeit der Bewertung klar herausarbeitet und die Plattform zur Löschung auffordert. Dieser Weg ist in der Regel deutlich kostengünstiger als ein gerichtliches Verfahren und führt in einem erfreulich hohen Prozentsatz der Fälle zum Erfolg.
Wird ein gerichtliches Verfahren notwendig, kommen zusätzliche Kosten für Gerichtsgebühren und anwaltliche Vertretung hinzu. Bei einer einstweiligen Verfügung sind diese Kosten überschaubar und stehen in der Regel in einem vernünftigen Verhältnis zum Schaden, den eine rechtswidrige Bewertung anrichtet. Gerade für Unternehmen, die intensiv um Fachkräfte werben und bei denen das Employer Branding eine zentrale Rolle spielt, ist die Investition in die Verteidigung der Online-Reputation eine strategisch sinnvolle Maßnahme.
Ich biete meinen Mandanten in der Regel eine transparente Ersteinschätzung der Erfolgsaussichten und der voraussichtlichen Kosten an. So können Sie als Arbeitgeber eine fundierte Entscheidung treffen, ob und wie Sie gegen eine bestimmte Bewertung vorgehen möchten.
Aktuelle Entwicklungen und Ausblick
Die Rechtslage im Bereich der Online-Bewertungen ist in ständiger Entwicklung. Das OLG Dresden hat im Dezember 2024 ein weiteres wichtiges Urteil zur Zulässigkeit von Kununu-Bewertungen gesprochen (Az. 4 U 744/24), das die Anforderungen an die Nachweispflicht von Kununu weiter konkretisiert. Die Tendenz der Rechtsprechung geht erkennbar in Richtung einer stärkeren Verantwortung der Plattformbetreiber und einer Stärkung der Rechte der bewerteten Unternehmen.
Gleichzeitig arbeitet Kununu selbst an Veränderungen seiner Prozesse. Die Plattform hat angekündigt, die Verifizierung von Bewertungen zu verbessern und neue Mechanismen einzuführen, um Fake-Bewertungen zu erkennen und zu unterbinden. Ob diese Maßnahmen in der Praxis ausreichen werden, um das Missbrauchspotenzial einzudämmen, bleibt abzuwarten.
Für Arbeitgeber bedeutet diese Entwicklung, dass die Aussichten, gegen rechtswidrige Kununu-Bewertungen erfolgreich vorzugehen, besser sind als je zuvor. Gleichzeitig wird die rechtliche Materie immer komplexer, sodass eine kompetente anwaltliche Begleitung umso wichtiger wird.
Fazit: Sie müssen ungerechtfertigte Bewertungen nicht hinnehmen
Wenn Ex-Mitarbeiter auf Kununu nachtreten, ist das für betroffene Unternehmen eine belastende Situation – aber keine aussichtslose. Die rechtlichen Möglichkeiten, gegen unwahre, schmähende oder in anderer Weise rechtswidrige Bewertungen vorzugehen, sind in den vergangenen Jahren erheblich gewachsen. Das Urteil des OLG Hamburg hat die Position der Arbeitgeber gestärkt, und auch die weitere Rechtsprechung entwickelt sich in eine Richtung, die Unternehmen mehr Schutz vor anonymen Angriffen auf ihre ReputationReputation bezeichnet den Ruf oder das Ansehen, das eine Per... Mehr bietet.
Entscheidend ist, dass Sie strategisch und besonnen vorgehen. Analysieren Sie die Bewertung sorgfältig, dokumentieren Sie die rechtswidrigen Inhalte und ziehen Sie frühzeitig kompetente rechtliche Unterstützung hinzu. In vielen Fällen gelingt die Löschung bereits im außergerichtlichen Bereich – schnell, effektiv und zu überschaubaren Kosten.
Als Fachanwalt für IT-Recht mit über 25 Jahren Erfahrung im Bereich Reputationsmanagement und der Löschung rechtswidriger Online-Bewertungen unterstütze ich Sie gerne dabei, Ihren guten Ruf als Arbeitgeber zu schützen und wiederherzustellen. Ich kenne die Mechanismen der Plattformen, die aktuelle Rechtsprechung und die effektivsten Strategien, um Ihre Interessen durchzusetzen.
Zögern Sie nicht, mich zu kontaktieren, wenn Sie mit einer ungerechtfertigten Kununu-Bewertung konfrontiert sind. Gemeinsam entwickeln wir eine individuelle Strategie, die auf Ihre spezifische Situation zugeschnitten ist – lösungsorientiert, schnell und mit dem Ziel, Ihr Unternehmen wirkungsvoll zu schützen.
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