Negative Online-Bewertungen: Meinung oder Rufschädigung? Was Gastronomen jetzt wissen müssen

In der digitalen Gastronomie-Welt kann eine einzige schlechte Bewertung viel Wirkung entfalten – und nicht selten den Weg vor Gericht ebnen. Der vorliegende Fall des Landgerichts Berlin (LG Berlin II) zeigt jedoch eindrücklich, dass nicht jede Kritik automatisch unter Rufschädigung fällt. Für Betriebe im Gastgewerbe ist es essenziell, das Urteil zu verstehen – hier erfahren Sie, warum es keine 5.000 Euro Streitwert gab und was Sie konkret daraus lernen können. Negative Online-Bewertung Gastronom? Ich helfe bundesweit!

1. „Keine 5.000 € Streitwert für schlechte Sterne-Bewertungen“ – Negative Online-Bewertung Gastronom

Die Antragstellerin hatte den Streitwert mit 5.000 € angesetzt, um vor dem Landgericht (statt beim Amtsgericht) zu klagen – doch das Gericht wies diesen Ansatz ab. Ein hoher Streitwert setzt konkrete wirtschaftliche oder immaterielle Schäden voraus – etwa Umsatzeinbußen oder einen erheblichen Beeinträchtigungsgrad des Persönlichkeitsrechts. Im vorliegenden Fall waren solche Nachweise nicht ersichtlich – der Streitwert wurde als zu hoch veranschlagt. Damit war der Antrag unzulässig, und das Amtsgericht wäre grundsätzlich zuständig gewesen (§ 937 Abs. 1 ZPO i. V. m. § 3 ZPO).

2. „Über Geschmack lässt sich nicht streiten“ – Alltagsphänomene bleiben Meinungsäußerungen

Der Kommentar des Gastes lautete: „Gar nicht meins. Salz-Pfeffer-Verhältnis hat überhaupt nicht gepasst.“ In den Augen des Gerichts enthält diese Bemerkung keine überprüfbare Tatsachenbehauptung, sondern ist eine subjektive Geschmacksäußerung. Solche Bewertungen sind Alltag – und als solche textlich sachlich, relativ harm- und risikolos. Nutzer:innen erkennen in solchen Aussagen automatisch eine Meinung, nicht etwa eine Tatsachenbehauptung. Sie fallen damit unter den Schutz der Meinungsfreiheit (Art. 5 GG) und sind rechtlich erlaubt – selbst bei negativer Wirkung auf den Ruf.

3. DSA und Meldeverfahren: Formal muss es stimmen

Auch inhaltlich wurde das Anliegen der Betreiberin abgelehnt: Sie wollte, dass das Bewertungsportal die Rezension löscht. Doch das Gericht stellte klar, dass die Plattform keine haftungsbegründende Kenntnis hatte, weil die Gastronomin das im Digital Services Act (DSA) vorgeschriebene Melde- und Abhilfeverfahren nicht genutzt hatte. Seit Inkrafttreten des DSA genügt keine formlose E-Mail: Nutzer:innen müssen den offiziellen Meldeweg verwenden (Art. 16 DSA), etwa über ein Formular oder Menü in der Nähe der Bewertung. Ohne diesen Schritt haftet die Plattform nicht für die Inhalte – weder als Störerin noch mittelbar haftbar gemacht.

4. Lehren für Gastronomen im Reputationsmanagement

FallkonstellationHandlungsempfehlung
Subjektive Kritik (z. B. Geschmack, Gewürzverhältnis)Akzeptieren. Solche Bewertungen sind geschützt und Alltag.
Streitwert zu hoch angesetztRealistisch bleiben. Ohne nachweisbaren Schaden – z. B. Umsatzeinbruch – bleibt der hohe Streitwert unhaltbar.
DSA-Verfahren ignoriertUnbedingt das Meldeverfahren der Plattform nutzen (Art. 16 DSA). Die Plattform bleibt sonst unantastbar.
Reaktives VerhaltenBesser ist: höflich antworten, anbieten, es besser zu machen, öffentliche Kritik aufnehmen statt klagen.
Gesamtbewertung im Blick behaltenEinzelbewertungen verlieren Wirkung, wenn Qualität durchgehend stimmt.

5. Fazit Negative Online-Bewertung Gastronom: Klare Grenzen – aber auch klare Wege

Das Urteil (LG Berlin II, Beschluss vom 07.08.2025, Az. 27 O 262/25 eV) zeigt Gastronomen: Nie ist jede negative Bewertung illegal, nie reicht jede E-Mail, und nie funktioniert jeder Streitwert. Kritiken auf persönlichem Geschmack sind Meinungsäußerungen, nicht Persönlichkeitsrechtsverletzungen – solange sie sich im Rahmen bewegen. Nur bei enthemmender Schmähkritik, falschen Tatsachenbehauptungen oder nachweisbaren Schäden lohnt ein rechtlicher Schritt. Und selbst dann lautet die erste Tür: Meldeverfahren nutzen, wirkungsvoll reagieren, Gesamteindruck sichern.

6. Ihr Weg zur starken Online-Reputation – Negative Online-Bewertung Gastronom

  • Unterschätzen Sie nicht die Wirkung einzelner Bewertungen – aber bewerten Sie ihr Gewicht realistisch.
  • Halten Sie das DSA-Meldeverfahren im Blick – juristische Schritte sind nur sinnvoll, wenn die Plattformform eingehalten wird.
  • Strategisches Reputationsmanagement heißt: Qualität sichern, Feedback konstruktiv nutzen, auf Augenhöhe antworten – statt streitsuchend sofort zu klagen.

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