Eine gefälschte Bewertung lässt sich selten als Fälschung beweisen – und das ist auch nicht nötig. Der tragfähige Weg ist ein anderer: Trustpilot verlangt nach den eigenen Richtlinien eine echte Erfahrung. Lässt sich der geschilderte Vorgang keiner Bestellung zuordnen, fehlt der Bewertung die Grundlage – unabhängig davon, ob sie gekauft, erfunden oder von einem Mitbewerber geschrieben wurde.
Dass der automatische Filter des Portals das allein nicht leistet, ist belegt: In einem Test gingen 31 von 86 eingereichten Fake-Bewertungen durch.
Wie viel durchkommt: der Test der Wettbewerbszentrale
Zwischen Oktober 2024 und Februar 2025 hat die Wettbewerbszentrale das Prüfsystem von Trustpilot getestet und 86 gefälschte Bewertungen eingereicht. 31 davon wurden veröffentlicht, 55 wurden erkannt und entfernt.
Dem steht Trustpilots eigener Transparenzbericht für 2024 gegenüber, der eine automatische Erkennungsquote von 82 Prozent nennt. Die Wettbewerbszentrale hielt diese Darstellung für irreführend und sah darin einen möglichen Verstoß gegen § 5 UWG.
Warum diese Zahl für Sie praktisch wichtig ist: Sie erklärt, warum Ihre Meldung abgelehnt werden kann, obwohl die Bewertung offensichtlich gefälscht ist. Ein System, das ein gutes Drittel gezielt eingereichter Fälschungen durchlässt, erkennt auch Ihre Beanstandung nicht zuverlässig als berechtigt. Die Konsequenz ist nicht, lauter zu melden, sondern anders.
Woran Sie eine Fake-Bewertung erkennen
Mit Sicherheit erkennt man sie nicht. Es gibt aber Muster, und mehrere zusammen ergeben ein belastbares Bild.
Was Sie mit diesen Mustern nicht tun sollten: sie dem Portal als Beweis präsentieren. „Das Konto wurde erst gestern angelegt und der Text klingt wie generiert“ ist eine Vermutung, und Vermutungen lösen keine Prüfpflicht aus. Die Muster helfen Ihnen bei der Entscheidung, ob sich ein Verfahren lohnt – die Beanstandung selbst muss anders begründet werden.
Warum die Meldung oft scheitert – und was dann hilft
Trustpilot bearbeitet Beanstandungen in großem Umfang automatisiert. Eine Meldung, die sprachlich wie tausend andere aussieht, wird wie tausend andere behandelt. Entscheidend ist deshalb nicht der Nachdruck, sondern die Konkretheit: ein bezeichneter Satz, ein benannter Richtlinienverstoß, eine überprüfbare Tatsache.
Wird trotzdem abgelehnt, ist das nicht das Ende. Der Digital Services Act sieht ein internes Beschwerdeverfahren vor, in dem Entscheidungen nicht allein auf automatisierten Mitteln beruhen dürfen (Art. 20 der Verordnung (EU) 2022/2065). Wer es einleitet, erzwingt damit die Befassung durch einen Menschen. Außerdem muss das Portal mitteilen, ob es bei der ursprünglichen Entscheidung automatisierte Mittel eingesetzt hat (Art. 16 Abs. 6 DSA) – und danach stehen die zertifizierten Streitbeilegungsstellen nach Art. 21 DSA offen.
Wie das Verfahren im Einzelnen abläuft und was in eine Beanstandung gehört, steht hier: Schlechte Bewertung auf Trustpilot löschen lassen – der Leitfaden.
Wenn ein Mitbewerber dahintersteht
Dann ändert sich die Rechtslage zu Ihren Gunsten. Neben dem Persönlichkeits- und Unternehmenspersönlichkeitsrecht greift das Wettbewerbsrecht: die Herabsetzung eines Mitbewerbers (§ 4 Nr. 1 UWG) und die Anschwärzung durch nicht erweislich wahre Tatsachen (§ 4 Nr. 2 UWG), jeweils mit Unterlassungsanspruch aus § 8 UWG. Dieser Weg ist oft schneller und führt zu höheren Streitwerten.
Er setzt allerdings voraus, dass sich der Verdacht belegen lässt und nicht nur naheliegt. Ein Muster aus mehreren Bewertungen, zeitliche Zusammenhänge mit einer Ausschreibung oder einem Kundenwechsel, identische Formulierungen auf mehreren Portalen – das trägt. Bauchgefühl trägt nicht.
Dasselbe gilt für gekaufte Bewertungen auf der eigenen Seite: Wer positive Bewertungen honoriert, ohne dass das erkennbar ist, handelt je nach Ausgestaltung irreführend nach § 5 UWG – und riskiert nicht eine Bewertung, sondern das Profil. Mehr dazu: Bezahlung für Fake-Bewertungen.
Was die Rechtsprechung dazu sagt
Für das Verhältnis zwischen Betroffenem und Portal hat der Bundesgerichtshof die Linie vorgegeben: Sobald eine Beanstandung konkret genug ist, muss das Portal den Sachverhalt aufklären, den Verfasser konfrontieren, Belege verlangen und das Ergebnis weitergeben (Urteil vom 1. März 2016 – VI ZR 34/15, fortgeführt mit Urteil vom 9. August 2022 – VI ZR 1244/20). Dazu ausführlich: BGH VI ZR 1244/20: Fake-Bewertungen löschen.
Das Oberlandesgericht Hamburg hat den Maßstab zugespitzt: Das Portal muss den Bewerter überprüfbar machen – oder die Bewertung löschen (OLG Hamburg, 7 W 11/24). Und wenn das Portal seiner sekundären Darlegungslast nicht genügt, gilt die Behauptung des Betroffenen, es habe gar keinen Kontakt gegeben, nach § 138 Abs. 3 ZPO als zugestanden.
Häufige Fragen
Ich habe eine Fake-Bewertung auf Trustpilot – wie werde ich die los?
Nicht über den Nachweis, dass sie gefälscht ist – der gelingt selten. Der tragfähige Weg führt über den fehlenden Geschäftskontakt: Lässt sich der geschilderte Vorgang keiner Bestellung zuordnen, fehlt der Bewertung die Grundlage, die das Portal in seinen eigenen Richtlinien verlangt. Die Beanstandung muss das konkret darlegen; wird sie abgelehnt, folgt das Beschwerdeverfahren nach Art. 20 DSA.
Muss ich beweisen, dass die Bewertung gefälscht ist?
Nein, und das wäre auch kaum möglich. Sie müssen darlegen, warum sich kein Geschäftsvorgang zuordnen lässt. Den Nachweis der Erfahrung einzuholen ist dann Sache des Portals.
Erkennt Trustpilot Fake-Bewertungen nicht selbst?
Nur zum Teil. In einem Test der Wettbewerbszentrale wurden 31 von 86 eingereichten Fake-Bewertungen veröffentlicht. Der automatische Filter ist also kein Ersatz für eine eigene Beanstandung – und er erklärt, warum berechtigte Meldungen abgelehnt werden.
Was kann ich tun, wenn ein Mitbewerber dahintersteht?
Dann kommt das Wettbewerbsrecht hinzu – Herabsetzung nach § 4 Nr. 1 UWG, Anschwärzung nach § 4 Nr. 2 UWG, mit Unterlassungsanspruch aus § 8 UWG. Dieser Weg ist oft schneller und führt zu höheren Streitwerten, setzt aber voraus, dass sich der Verdacht belegen lässt.
Darf ich selbst positive Bewertungen sammeln, um auszugleichen?
Vorsicht. Bewertungen, die auf Veranlassung des Unternehmens entstehen, ohne dass das erkennbar ist, können eine irreführende geschäftliche Handlung nach § 5 UWG sein – und Portale erkennen solche Wellen. Im schlimmsten Fall steht nicht eine Bewertung zur Debatte, sondern das gesamte Profil.
Bewertung prüfen lassen
Schicken Sie mir den Link zur Bewertung und eine kurze Angabe, ob sich der geschilderte Vorgang einer Bestellung zuordnen lässt. Sie erfahren kostenlos, welcher Angriffspunkt trägt – und auch, wenn sich nichts machen lässt.
Zum Ablauf und zu den Kosten: Trustpilot-Bewertung löschen lassen
Ich habe persönlich keine guten Erfahrungen mit der Bewertungsplattform Trustpilot gemacht.
Nach meiner Wahrnehmung wurden zunächst mehrere meiner Bewertungen angenommen und veröffentlicht, später jedoch teilweise wieder entfernt. Im weiteren Verlauf wurde mein Account gesperrt. Die konkreten Gründe hierfür sind für mich trotz mehrfacher Nachfrage bislang nicht nachvollziehbar.
Meine Nachfragen dazu, welche konkreten Bewertungen oder Inhalte zur Sperrung geführt haben, wurden nach meiner Wahrnehmung überwiegend mit allgemeinen Hinweisen auf Bewertungsrichtlinien sowie standardisierten Antworten beantwortet. Eine konkrete Einzelfallbegründung habe ich bislang nicht erhalten.
Hinzu kommt, dass ich derzeit keinen Zugriff mehr auf meinen gesperrten Account habe und diesen nach meinem aktuellen Kenntnisstand auch nicht selbst löschen kann. Ein Verweis darauf, dass hierfür keine Zuständigkeit bestehe, erscheint mir in der praktischen Umsetzung wenig hilfreich, solange kein Zugriff auf den Account möglich ist. Einen weiteren Account konnte ich hingegen ohne Einschränkungen unmittelbar selbst löschen. Vor diesem Hintergrund ist die unterschiedliche Behandlung für mich schwer nachvollziehbar.
Für die Bewertungen bedauere ich diese Entwicklung, da ich eine solche Vorgehensweise eigentlich vermeiden wollte.
Vor diesem Hintergrund sollten bei der Nennung von Bewertungsplattformen möglichst mehrere unabhängige Anbieter berücksichtigt werden. Wenn ausschließlich eine Plattform genannt wird, kann aus meiner Sicht leicht der Eindruck entstehen, diese sei die allein maßgebliche oder besonders vertrauenswürdige Quelle für Bewertungen.